Abhängigkeits-erkrankungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen in Österreich


 

       

Magazin

Prävention II

Bilderbuchprävention im Kindergarten.

Mitarbeiter des Instituts für Suchtprävention der Sucht- und Drogenkoordination der Stadt Wien gestalteten das Bilderbuch „Was ist Sucht?“ samt Begleitbroschüre und präsentierten es im Oktober 2019. Das Buch richte sich an alle interessierten Menschen, sei aber insbesondere eine Unterstützung für Pädagoginnen und Pädagogen, um das Thema kindgerecht aufzubereiten.

„Das Bilderbuch ist eine wertvolle Unterstützung, um Kinder aufzuklären und ihnen zu vermitteln, dass Sucht eine chronische Erkrankung ist“, betonte Mag. Jürgen Czernohorszky, Stadtrat für Bildung, Integration und Jugend. „Kinder suchen oft die Schuld bei sich, wenn sich ihre Eltern untypisch verhalten.“ Umso wichtiger sei es für Erwachsene, Kindern zu erklären, dass es bei einer Krankheit keine Schuldigen gebe. „Damit können Vorurteile und Ängste abgebaut werden und die Hemmschwelle, sich bei Bedarf Beratung und Hilfe zu suchen, sinkt nachhaltig“, erklärte Czernohorszky.

„Abhängigkeitserkrankungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen in Österreich“, sagte bei der Präsentation des Bilderbuchs Ewald Lochner, Koordinator für Psychiatrie, Sucht- und Drogenfragen der Stadt Wien. „Rund 30 Prozent der österreichischen Bevölkerung rauchen, davon weisen etwa 50 bis 60 Prozent eine starke Nikotinabhängigkeit auf. Das seien knapp 1,2 Millionen Menschen.

Alkoholsucht als österreichweites Problem. Rund fünf Prozent der Österreicherinnen und Österreicher sind alkohol-abhängig, weitere neun Prozent trinken in einem problematischen Ausmaß. „Dass Kinder einer belastenden Situation durch die Abhängigkeitserkrankung eines Elternteils ausgesetzt sind, ist daher keine Seltenheit“, unterstrich Lochner.

Hinzu kommt die Abhängigkeit von illegalen Drogen. Die Zahl der vor allem von Opiaten und anderen verbotenen Substanzen abhängigen Personen wird auf über 30.000 geschätzt. Viele davon nehmen mehrere Drogenarten zu sich. Rund die Hälfte der Abhängigen sind in einem Substitutionsprogramm.

Bewusstseinsbildung. Das Bilderbuch „Was ist Sucht?“ informiert und bildet Bewusstsein, ohne zu verurteilen. Sucht wird als Krankheit thematisiert, die sich behandeln lässt. Verschiedene Verhaltensweisen, Wertvorstellungen und mögliche Konflikte werden ebenso vorgestellt wie unterschiedliche Wege und Strategien zur Problemlösung.

Für Pädagoginnen und Pädagogen in Grundschulen und Kindergärten bieten die Suchthilfe Wien und das Ins­titut für Suchtprävention neue und kos­tenlose Fortbildungsveranstaltungen an. Das Angebot wurde entwickelt, um Hilfestellung zur sensiblen und komplexen Thematik von Suchterkrankungen zu bieten. Das Bilderbuch wird in der Fortbildung ausgegeben.

 

diekriminalisten.at, Dezember 2019