Johann Veith wollte schon als 5-jähriger Polizist werden


 

       

Bücher

Erinnerungen eines „Edelkiberers“

Der pensionierte Kripo-Offizier Johann Veith berichtet in einem Sachbuch über erfolgreiche Kriminalfälle und über heitere, berührende und andere bemerkenswerte Geschichten aus seiner Polizeidienstzeit.

Im Oktober 1985 überfiel ein Mann in Wien-Hietzing eine Bankfiliale, kaperte ein Auto und fuhr mit Geiseln zum Lainzer Tiergarten. Dort ließ er die Geiseln frei und flüchtete zu Fuß weiter. Der junge Kriminalpolizeioffizier Johann „Hans“ Veith, damals Leiter der Kriminalbeamtenabteilung im 14. Wiener Bezirk, beteiligte sich mit einigen seiner Mitarbeiter an der Fahndung. Während der Flucht schoss der Geiselnehmer auf Streifenwagen. Ein Kriminalbeamter wurde von einem Querschläger verletzt und ein Blaulicht zerschossen. In einem Waldgasthaus gelang es Veith und anderen Kriminalbeamten, den Gewalttäter festzunehmen. Der Festgenommene gestand drei weitere Banküberfälle.

Diese Gewalttat und andere spektakuläre Fälle hat „Edelkiberer“ Hans Veith im Buch „Die Fragen stellen wir!“ veröffentlicht. Dazu kommen heitere und berührende Geschichten, wie die Rettung von Lebensmüden, sowie „friedensrichterliche Interventionen“ wie das Vermitteln bei familiären Problemen.

Hans Veith, 1946 in Wien geboren, hatte seinen Angaben zufolge schon als Fünfjähriger den Wunsch, Polizist zu werden. In seiner Jugend betrieb er Kampfsportarten. Das kam ihm später im Polizeidienst zugute. Seine „Spezialität“ als Polizist war die Handwinkelsperre, mit der er auch übergroße Angreifer innerhalb von Sekunden kampfunfähig machte.

Veith trat am 1. Juli 1967 in die Wiener Sicherheitswache ein und versah nach der Grundausbildung Dienst im Wachzimmer Goethegasse im ersten Bezirk. 1970 absolvierte er den Kriminalbeamtenkurs. Danach war er zwei Jahre lang im Kommissariat Döbling und danach im Sicherheitsbüro tätig, wo er im Fachbereich Fahndung, Laden- und Trickdiebstähle ermittelte. Von 1976 bis 1978 absolvierte er den Offizierskurs in Mödling und kam als leitender Kriminalbeamter in das Kommissariat Wien-Penzing. Sein Engagement fast „rund um die Uhr“ und seine Hartnäckigkeit führten dazu, dass das Kommissariat Penzing bei der Aufklärungsquote vom 17. auf den drittbesten Platz in der Wiener Bezirksstatistik kam. Nach Gründung der Einsatzgruppe zur Bekämpfung des Terrorismus (EBT) 1987 wurde Veith deren stellvertretender Leiter. Beruflich erfolgreich sei er durch seine „Markenzeichen“ geworden, betont der Kripooffizier – seine guten Rechtskenntnisse, seine Hartnäckigkeit, ein Ziel zu erreichen, sowie sein „Bauchgefühl“, der „sechste Sinn“.

Nur einmal in seiner Dienstzeit hatte er einen Schusswaffengebrauch: Nachdem ein Jugendlicher mit einer Pistole seinen Vater bedroht und bei der Fahndung die Waffe auf Veith gerichtet hatte, schoss der Offizier dem Burschen in Notwehr in den Schussarm. Veith hatte den Ruf, immer „im Dienstmodus“ zu sein, er soll mit eingeschaltetem Funkgerät geschlafen haben, erzählte man sich im Kollegenkreis. Hofrat i. R. Max Edelbacher, ehemaliger Leiter des Wiener Sicherheitsbüros, beschreibt Veith im Vorwort des Buchs als „bunten Hund“, der einerseits wegen seiner „Einsatzfreude, schöpferischen Kraft und Abenteuerlust für den Polizeiberuf wie geschaffen“ gewesen sei, andererseits habe man bei ihm „immer mit Überraschungen rechnen“ müssen. Er sei „immer von einer ungeheuren Aktivität, Individualität und Neugier getrieben“ gewesen. Durch seinen Ehrgeiz und Fleiß sei er zu einer „Kriminallegende“ geworden.

Mit 1. Jänner 1991 trat Hans Veith wegen eines Rückenleidens in den Ruhestand. Im Sommer 2012 schloss der Pensionist den Lehrgang „Human Rights“ an der Donau-Universität Krems mit dem akademischen Titel Master of Arts (MA) ab.

Hans Veith gibt mit seinen Polizeigeschichten auch einen Einblick in die dienstliche Situation von den späten 1960er-Jahren bis zum Ende der 1980er-Jahre. Als Veith 1967 in die Polizeischule eintrat, waren die Mannschaftstransporter offene Steyr-Lkw mit Holzbänken, die wenigen mobilen Funkgeräte waren unhandlich und wenige schwach motorisierte VW-Käfer dienten als Streifenwagen. Es gab keinen automatisierten Fingerabdruckvergleich und keine DNA-Analyse, geschrieben wurde auf Schreibmaschinen mit Durchschlägen und die Telefonapparate hatten eine Wählscheibe. In vielen Wachzimmern wurde mit Kohleöfen geheizt und in kalten Wintern glühten die Ofenrohre.

Illustriert ist das Buch mit Zeitungsausschnitten über Veiths erfolgreiche Einsätze. Das Buch wird vom Verlagshaus Hernals versandkostenfrei und auf Wunsch vom Autor signiert versandt (bestellung@verlagshaus-hernals.at).    

W. S.

 

Johann Veith: „Die Fragen stellen wir!“. Polizeigeschichten und Anekdoten. Hernals Verlag, Wien, 2019. www.verlagshaus-hernals.at


diekriminalisten.at, Oktober 2019