Anfang der 1960er-Jahre wurden in einem Waldstück in Ost-Berlin zwei halb verweste Leichen gefunden.


 

       

Bücher

Doppelmord

Eine wahre Geschichte über einen vertuschten Doppelmord in der DDR.

Der Angeklagte mit der ihm anhaftenden Unehrlichkeit und einem bis zur Habgier gesteigerten Egoismus hat jede Ehre und das Recht, in unserer Gesellschaft weiterzuleben, verwirkt. Der Senat folgt nach eingehender Prüfung dem Antrag des Militärstaatsanwalts auf Ausspruch der Todesstrafe. Mit diesen Worten wurde DDR-Genosse Hellmut Scheithauer am 15. April 1967 wegen zweifachen Mordes zum Tode verurteilt. Der 37-jährige ehemalige Stasi-Major richtete noch ein Begnadigungsgesuch an den „Großen Vorsitzenden“ Walter Ulbricht. Das Ergebnis wurde ihm am Abend des 23. Mai 1967 in der Todeszelle in Leipzig verlesen.

Wie DDR-Staats- und Parteichef Walter Ulbricht entschied, erfährt der Leser von „Ein Verräter wie er“ am Ende des Buchs.

Der Autor und Journalist Jürgen Schreiber kämpfte sich durch 9.000 Aktenseiten, auf denen ein Doppelmord und seine Aufklärung dokumentiert waren. Basierend auf den wahren Begebenheiten schrieb er eine Dokumentation, die sich wie ein Roman liest.

Anfang der 1960er-Jahre wurden in einem Waldstück in Ost-Berlin zwei halb verweste Leichen gefunden. Die Tat lag schon einige Zeit zurück. Der Mörder wog sich in Sicherheit. Die Ost-Berliner Kriminalpolizisten tappten im Dunkeln. Es dauerte mehrere Jahre, bis sie dem Mörder auf die Schliche kamen. Die Erhebungen gestalteten sich wie Puzzlearbeit. Sie förderten zutage: Der Täter war ein Mann aus den eigenen Reihen der Ermittler.

Die Geschichte über den Stasi-Offizier führt in die Untiefen der menschlichen Seele und die Grausamkeiten der DDR-Staatssicherheit. Wie die Ermittlungen, so wurde auch die Gerichtsverhandlung gegen den Stasi-Major im Geheimen abgewickelt. Die Akten erhielt der Autor Jürgen Schreiber Jahrzehnte später von der Stasi-Unterlagenbehörde, lange nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten BRD und DDR.

Jürgen Schreiber, 72, wurde für seine Reportagen und Enthüllungen mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet. Er erhielt zweimal den Wächterpreis der deutschen Tagespresse. Er hat bisher vier Bücher veröffentlicht.

Jürgen Schreiber: „Ein Verräter wie er“, Droemer Verlag, München, 2019; www.droemer-knaur.de



diekriminalisten.at, Juni 2019