„Das Risiko von Fehldosierungen ist ein wesentlicher Hinderungsgrund für die Zulassung von Arzneimitteln.“


 

       

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Suchtmittel

Cannabis für medizinische Zwecke?

Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein legte einen Bericht zum Thema „Liberalisierung von Cannabis zu medizinischen Zwecken“ vor. Laut Parlamentskorrespondenz werden darin nicht nur die mit dem Cannabiskonsum verbundenen medizinischen, rechtlichen, organisatorischen und ökonomischen Aspekte näher beleuchtet, sondern auch Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern, vor allem aus Deutschland.

Festgehalten wird in dem Bericht, dass österreichische Patienten nach geltender Rechtslage bereits Zugang zu cannabisbasierten Arzneimitteln haben, und zwar entweder in Form von Zubereitungen in den Apotheken oder auch als Fertigarzneimittel (Sativex und Canemes). Dronabinol kommt in der Schmerztherapie zur Anwendung und unterliegt dem Suchtmittelgesetz. Laut dem Bericht könne es etwa in Form von Tropfen oder Kapseln verschrieben werden. Eine Erstattung der Kosten sei möglich, und zwar bei Vorliegen einer medizinischen Begründung und Genehmigung durch den Kontroll- bzw. Chefarzt der jeweiligen Krankenkasse. Cannabidiol (CBD) wird nicht als Suchtgift gewertet. Der Stoff wurde laut dem Bericht nicht in den Erstattungskodex aufgenommen, da kein ausreichender Wirkungsnachweis vorliegt.

Risiko von Fehldosierungen. Was den Einsatz von „Medizinalhanf“ (getrocknete Blüten- oder Frucht-stände der Cannabispflanze) angeht, so gibt es den Verfassern des Berichts zufolge keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass er Vorteile gegenüber der Anwendung bereits zur Verfügung stehender cannabisbasierter Präparate habe. Reinsubstanzen sei der Vorzug zu geben, da diese in bedarfsgerecht exakter und reproduzierbarer Dosierung verabreicht werden können. Der Präsident des Obersten Sanitätsrates etwa betonte in diesem Zusammenhang, dass das Risiko von Fehldosierungen ein wesentlicher Hinderungsgrund für die Zulassung von Arzneimitteln nach internationalen Standards ist.

Die Verschreibung der Blüten und Fruchtstände der Cannabispflanze ist somit in Österreich im Vergleich mit Deutschland weiterhin gesetzlich nicht vorgesehen. In Deutschland habe man sich letztlich nur deshalb dafür entschieden, weil die – mangels Kostentragung – von der sozialen Krankenversicherung in den Raum gestellte Möglichkeit des Selbstanbaus von Cannabis verhindert werden sollte, heißt es im Bericht.

Noch immer lückenhaftes Wissen. Generell sei das Wissen über die sinnvolle medizinische Anwendung von Cannabinoiden noch immer sehr lückenhaft. Eine ausreichend gute Evidenz durch sorgfältig durchgeführte Studien gebe es nur bei chronischen Schmerzen bei Erwachsenen, chemotherapie-induzierter Übelkeit sowie bei Spastizität bei „Multipler Sklerose“. Weitere klinische Forschungen nach modernen evidenzbasierten Richtlinien wären notwendig.



diekriminalisten.at, Februar 2019