Die Auswirkungen gefälschter Medikamente auf die Gesundheit werden oft falsch eingeschätzt.


 

       

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Gefährliche Fälschungen

95 Prozent der Medikamente aus dem Internet sind Fälschungen und Substandard.

Laut Finanzministerium wurden bis Ende August 2018 bereits um 50 Prozent mehr illegale oder gefälschte Medikamente vom österreichischen Zoll beschlagnahmt als im gesamten Jahr 2017. Insgesamt 1.457 geschmuggelte Arzneiprodukte mit einem Gesamtgewicht von über zehn Tonnen wurden von den Behörden in diesem Jahr bereits aufgegriffen – allesamt über das Internet bestellt und per Post verschickt. Laut dem Österreichischen Apothekerverband sind 95 Prozent der Medikamente aus dem Internet Fälschungen und Substandard.

„Wenn Sie ein verschreibungspflichtiges Medikament wie Viagra oder die Pille rezeptfrei im Internet zur Bestellung finden, können Sie davon ausgehen, dass es sich um eine gefährliche Fälschung handelt“, sagt Jürgen Rehak, Präsident des Österreichischen Apothekerverbands. „Der Arzneimittel-Internethandel birgt das Risiko der Gesundheitsgefährdung, wobei der Internethandel die liberalisierteste Form des Handels ist. Die von der Bundeswettbewerbsbehörde neuerlich geforderte Marktliberalisierung ist angesichts dieser Entwicklung kontraproduktiv und sicher das falsche Signal.“ 

Wie viele gefälschte Medikamente nicht vom Zoll aufgegriffen wurden und nun in Österreich gesundheitlichen Schaden anrichten, bleibt laut  Rehak im Dunkeln. Die österreichischen Apotheken nehmen das Bekanntwerden der Zahlen zum Anlass, die Information der Bevölkerung zu intensivieren. „Wir werden gerade dort auf die Gefahren durch gefälschte Medikamente aufmerksam machen, wo die Menschen sie bestellen: im Internet“, sagt Rehak. 




Die Auswirkungen gefälschter Medikamente auf die Gesundheit werden oft falsch eingeschätzt. Die mit Schmutz bis hin zu Rattenkot verunreinigten, minderwertigen Arzneimittel sind nicht nur wirkungslos, sie können enormen Schaden anrichten. Bei gefälschten Verhütungsmitteln wurden etwa Thrombosen, Embolien und Schlaganfälle registriert. Für vermeintliche Vorteile – etwa, dass man sich den Gang zum Arzt erspart – wird leichtsinnig die eigene Gesundheit riskiert.

diekriminalisten.at, Dezember 2018