Gravierende und lebenslange Auswirkungen.


 

       

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Drogen

Cannabis stört die Entwicklung des Gehirns.

Kiffen und bestimmte cannabinoidhaltige Medikamente können in der Schwangerschaft irreversible Gehirnschäden beim Baby verursachen. Eingeschränkte kognitive und motorische Fähigkeiten sowie psychologische Fehlentwicklungen sind die Folgen. Beim „Collegium internationale Neuro-Psychopharmacologium“ diskutieren ab dem 16. Juni 2018 mehr als 3.500 Neuro-Pharmakologen über die Wirkung von Substanzen und Arzneimitteln auf das Gehirn.

„Neuropharmakologen beschäftigen sich mit der Wirkung der verschiedenen Cannabinoide auf das Gehirn,“ sagte Univ.-Prof. Dr. Tibor Harkany von der Abteilung für Molekulare Neurowissenschaften an der Medizinischen Universität Wien.  Die Wirkungen von THC (Tetrahydrocannabinol) haben während der Entwicklung des Gehirns „gravierende und lebenslange Auswirkungen“, betonte Harkany, Die Gehirnentwicklung dauert im Schnitt bis Anfang oder Mitte der zwanziger Jahre eines Menschen, aber gerade in der Embryonalentwicklung finden im Gehirn innerhalb kurzer Zeit, manchmal in wenigen Stunden, wesentliche entwicklungsbiologische Pro­zesse statt. Diese können durch den Einfluss von THC gestört werden und damit zu irreversiblen Fehlern führen. Im ersten Schwangerschaftsdrittel etwa werden die Grundsteine für die motorischen Funktionen und das Belohnungssystem gelegt. Im zweiten Drittel werden wichtige kognitive Funktionen entwickelt, die durch den Cannabiskonsum geschädigt würden.

Das Grundproblem liegt im THC, das wie ein Schlüssel in ein Schloss, auf einen Hauptrezeptor im Gehirn passt und damit fast alle Teile des menschlichen Gehirns beeinflusst. „Diese Rezeptoren sind während der Gehirnentwicklung dazu da, die Verbindung der Nervenzellen untereinander zu regeln“, erklärte Tibor Haranky. „Da sich nun die THC-Moleküle mit diesen Rezeptoren verbinden, werden physiologische Funktionen so modifiziert, dass in Phasen der intensiven Gehirnentwicklung wichtige Verbindungen zwischen den Nervenzellen ausbleiben oder falsch verbunden werden.“ Daher sei es besonders wichtig, dass Schwangere kein THC zu sich nehmen – das gilt für das Kiffen genauso wie für Medikamente, die diesen Bestandteil enthalten. THC ist beispielsweise in einigen Arzneimitteln gegen Übelkeit enthalten.

„Eine weitere Gefährdungswelle kommt auf Kinder und Jugendliche zu, wenn sie selbst beginnen, mit Cannabis zu experimentieren“, sagte der Neurobiologe. „Gibt es nämlich eine genetische Disposition für bestimmte psychische Krankheiten oder einen anderen Sensibilisierungsfaktor, so kann der Konsum von Cannabis diese psychischen Krankheiten auslösen. Häufig sind sich die Kinder und Jugendlichen diesem persönlichen, erhöhten Risiko nicht bewusst. Das Spektrum dieser auf diesem Wege ausgelösten psychischen Krankheiten kann von Psychosen bis hin zur Schizophrenie reichen.



diekriminalisten.at, August 2018