„Das Publikum soll vor Schaden durch Betrug bewahrt werden.


 

       

Magazin

Gegen Abzocke

Österreich-Ungarn in der Prävention.

Eine Gruppe End-Siebzigerinnen und Anfang-Achtzigerinnen aus einem Seniorenwohnheim bei Budapest, geleitet von einer pensionierten Schauspielerin, tingelt tanzend und Theater spielend durch Ungarn. In dem Stück geht es um Werbefahrten, um die Abzocke mit Heizdecken, Bettwäsche und Waschmaschinen. Die tanzenden Damen nehmen ihre Altersgruppe zum Teil aufs Korn. Sie haben ihr Programm mit Humor und Ironie gespickt. Der Hintergrund ist ernst: Das Publikum soll vor Schaden durch Betrug bewahrt werden.

 Prävention neu geschrieben

Das ungarische Innenministerium begann vor einigen Jahren, die Kriminalprävention auf neue Beine zu stellen. Die Präventionsprojekte werden nicht von der Polizei allein betrieben, sondern aus allen Bereichen der ungarischen Gesellschaft. Jährlich stehen dafür über 400.000 Euro zur Verfügung. Die Projekte werden ausgeschrieben, von einer Jury bewertet und vom Staat finanziert. Jährlich werden zehn bis zwölf Projekte in das Präventionsprogramm des ungarischen Innenministeriums aufgenommen. Voraussetzungen für die Teilnahme am Wettbewerb sind, dass an der Erarbeitung der Projekte mindestens vier Organisationen teilgenommen haben und dass sie für mindestens ein Jahr ausgerichtet sind.

Unterstützung aus Österreich

Unterstützt wurde die Präventionsabteilung des ungarischen Innenministeriums aus Österreich von Kontrollinspektor Günther Holztrattner vor allem in Form von Ausbildungen. Er ist Kommandant der Polizeiinspektion Abtenau (Salzburg). In den 1990er- und 2000er-Jahren war er auch in Österreich vor allem in der Jugendkriminalitätsprävention aktiv. In Ungarn ist er immer noch gefragt. Bei einer Konferenz im ungarischen Innenministerium Ende 2017 wurde er für seine Leistungen ausgezeichnet.

Als Holztrattner vor 13 Jahren mit seiner Unterstützungsleistung in Budapest begann, bestand die Präventionsabteilung aus einer Person – Edit Gratzer-Sövényházy. Heute ist sie Oberst und „Hauptabteilungsleiterin“ im Innenministerium, im Sekretariat des „Nationalen Präventionsrats“ und ihr stehen knapp 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung.

Sanyi, der Einbrecher

Unter anderem bietet die Kriminalprävention des ungarischen Innenministeriums mehr als 80 Präventionsfilme an. Es gibt Projekte in Gefängnissen, mit denen die Konfliktrate hinter Gittern erwiesenermaßen gesenkt wurde. Mit Kampagnen im Fernsehen, mit Themen wie Einbruchsschutz, soll die Bevölkerung vor Wohnungseinbrüchen bewahrt werden. In einer App und einem Online-Spiel zeigt „Sanyi“, der Einbrecher, wie seine „Kollegen“ vorgehen, wie die Online-Spieler Punkte sammeln und wie sie sich in der „Real World“ vor ihnen schützen können.



diekriminalisten.at, Juni 2018