Meinungsaustausch funktioniert nicht reibungslos unter Menschen.


 

       

Bücher

Shitstorm

Wie es zu kollektiven Wutausbrüchen kommt.

Die Idee, die dem Internet zugrunde liegt, ist die Informationsverbreitung. Jede Information sollte jedem Menschen zugänglich gemacht werden. Wissen sollte nicht länger „Herrschaftsgut“ sein. Die Welt sollte zu einem „globalen Dorf“ werden. Die Menschen sollten Fakten und Meinungen untereinander austauschen können – ohne Grenzen.

Doch vor allem der Meinungsaustausch funktioniert nicht reibungslos unter Menschen. Wenn sie über ihre Ansichten diskutieren, nehmen selbst „objektive“ Fakten oft seltsame Formen an – im extremen Fall die der „Fake News“ und im schlimms­ten Fall die der „alternativen Fakten“.  Wenn Fakten nicht mehr alternativlos sind, können Meinungen nicht mehr ausdiskutiert werden. Eine der Ursachen für das Zurechtbiegen von Wahrheiten ist der Drang des Menschen nach einer einfachen Welt. Doch diese ist komplex und Menschen streben nach der Reduktion dieser Komplexität.

Statt sich auf die Vielfalt im „globalen Dorf“ einzulassen, zieht es die Internet-Anwender in Filterblasen. Sie bekommen irgendwann nur mehr ihre eigenen Ansichten zu lesen und zu hören. Das liegt zum Teil am Streben nach Bestätigung der eigenen Meinung und zum Teil am Verstärkereffekt, den Computerprogramme errechnen – etwa wenn Amazon sagt: „Kunden, die das Buch X gekauft haben, haben auch das Buch Y gekauft.“ Google bietet in der Suche nach Schlagworten ähnliche mit an. Die „Filterblase“ wird zur „Echokammer“, an deren Innenhaut Nachrichten widerhallen. Das verleiht den Eindruck, es gebe eine „Weltmeinung“ – die eigene. Jede davon abweichende Ansicht ist falsch und müsse bekämpft werden. Der Shitstorm geht mit Schmähungen und Unflätigkeiten Hand in Hand.

Der Soziologieprofessor Christian Stegbauer geht der Frage nach, wie es zu „digitalen Wutausbrüchen“ kommt. Er erläutert die Voraussetzungen. Patentrezepte gegen Shitstorms gibt es keine, aber es gibt Möglichkeiten, damit umzugehen. Stegbauer listet deren Vor- und Nachteile auf.

Christian Stegbauer: „Shitstorms – der Zusammenprall digitaler Kulturen“, Springer Fachmedien, Wiesbaden, 2018;



diekriminalisten.at, Juni 2018