„Das hat uns gezeigt, wie gefährlich Falschmeldungen sein können


 

       

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Hohe Emotionalität

Fake News sind schneller als „True News“.

Im März 2016 während des Präsidentschafts-wahlkampfs in den USA wurde im amerikanischen Satire-Magazin The Kicker eine Fotomontage veröffentlicht. Darauf war der US-Profiboxer Floyd Mayweather jr. zu sehen – bei einer Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump in Ohio. Auf dem Bild war ihm ein „Hijab“ aufgesetzt worden, ein muslimisches Kopftuch. Mayweather sollte provokant in die Menge gerufen haben, ob sich jemand mit einem Moslem anlegen wolle.

Obwohl klar war, dass es sich um eine satirische Falschmeldung handelte, verbreitete sie sich wie ein Lauffeuer – als wäre sie echt. Heute noch glauben viele diese Geschichte.

Hartnäckig und schnell. Falsche Nachrichten sind nicht nur hartnäckig, sie verbreiten sich schneller als richtige. Das fanden Forscher des Massachusetts Institute of Technology in Cambridge heraus. Den Ausschlag für das Forschungsprojekt gab laut dem Hauptautor Dr. Soroush Vosoughi eine Falschmeldung beim Bomben-Attentat wäh-rend des Boston-Marathons 2013. Nach einem Gerücht sollte ein Student der Brown-University verdächtig sein. Doch er hatte nichts damit zu tun und beging Suizid. „Das hat uns gezeigt, wie gefährlich Falschmeldungen sein können“, sagt Vosoughi.

6-mal schneller. Soroush Vosoughi, Deb Roy und Sinan Aral zogen eine Stichprobe an Tweets, deren Wahrheitsgehalt überprüft worden war – etwa von PolitiFact, Snopes oder FactCheck.org. Somit blieben 126.000 Meldungen. Diese waren von drei Millionen Menschen 4,5-Millionen-mal geteilt worden.

Die Forscher fanden heraus: Richtige Meldungen erreichten selten mehr als 1.000 Menschen; Falschmeldungen erreichten allesamt weit mehr als 10.000 Menschen; sie wurden um 70 Prozent öfter „retweetet“ und knackten die 1.500er-Grenze sechsmal schneller als richtige Meldungen.

Soroush Vosoughi und seine Kollegen vermuteten anfangs, „Bots“ könnten verantwortlich sein. Solche „Roboter“ geben vor, ein Nutzer-Profil zu sein und generieren automatisch Meldungen. Sie können Nachrichten rasch millionenfach verbreiten. Die Forscher verwendeten eine Technologie, mit der sie „Bots“ enttarnen und deren Tweets aus den Daten entfernen konnten. Doch das änderte nichts. „Bots“ waren also nicht hauptverantwortlich.

Emotionen. Dann prüften die Forscher, ob Anwender mit besonders vielen Followern schuld an der Verbreitung waren. Doch Falschmeldungen  waren gerade dann erfolgreich, wenn sie Twitter-Anwender mit wenigen Followern in die Welt gesetzt hatten.

Schließlich sahen sich die Forscher die Tweets inhaltlich an. Die falschen unterschieden sich von den richtigen News durch größeren Neuigkeitswert und durch hohe Emotionalität. Die Falschmeldungen sprachen hauptsächlich die Basis-Emotionen „Überraschung“ und „Ekel“ an.

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diekriminalisten.at, April 2018