Satirepreis für „Reichsbürger“


 

       

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Staatsverweigerer

Goldenes Brett für „König von Deutschland“.

Die österreichische „Gesellschaft für Kritisches Denken“ (GDK) verlieh heuer einem „Staatsverweigerer“ bzw. „Reichsbürger“ aus Deutschland das „Goldene Brett für den absurdesten Schwachsinn“. Der Satire-Preis wurde am 23. November 2017 in der Wiener Urania Peter Fitzek zuerkannt – natürlich war er nicht anwesend. Die „Reichsbürger“ verleugnen die Existenz der Bundesrepublik Deutschland. Auch in Österreich hat sich eine solche Gruppe gebildet. Die „Reichsbürger“ sprechen Deutsch­land die Legitimität als souveräner Staat ab, daher müsse man sich nicht an seine Gesetze halten. Häufig wird die Bundesrepublik als „Firma“ oder „GmbH“ bezeichnet, deren (Steuer-)Forderungen keine legale Bedeutung hätten.

Fitzek rief das „Königreich Deutschland“ aus und ließ sich zum „König von Deutschland“ bzw. „Imperator Fiduziar“ krönen. Er gründete eine „Königliche Reichsbank“, in die seine Anhänger Geld einzahlten – in seiner Währung, dem „Engelsgeld“. Als Fitzek beim Übertreten einer Geschwindigkeitsbegrenzung erwischt wurde, zeigte er einen „Führerschein des Königreichs Deutschland“. Mittlerweile wurde Fitzek wegen Veruntreuung und unerlaubter Bankgeschäfte zu einer Haftstrafe verurteilt.

Nominiert für den Satirepreis war auch der bekannte Wiener Hormonforscher und Gynäkologe Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber. Anlass dafür war sein neues Buch „Es existiert“: Darin erklärt er, er halte es für legitim, wenn jemand an Schutzengel glaube und übersinnliche Informationsübertragung für möglich halte. Andere Wissenschaftler hatten Huber im Vorfeld der Preisverleihung verteidigt. Am Abend der Preisverleihung tat er das auch selbst in der ORF-Sendung „Stöckl live“.

Fake News

Breiteren Konsens gab es in der Nominierung von Dr. Andrew Wakefield. Der britische Arzt veröffentlichte mit zwölf anderen Forschern 1998 einen Artikel in der Medizinzeitschrift The Lancet und behauptete einen Zusammenhang zwischen der Erkrankung an Autismus und der Masern-/Mumps-/Röteln-Impfung.

Nach und nach wurde belegt, dass dem Forschungsbericht schlecht und falsch erhobene Daten zugrunde lagen. Wakefield hatte für die Studie Geld von US-Anwälten erhalten, die gegen Pharmafirmen Klage eingebracht hatten. 2010 zog The Lancet den Artikel zurück – etwas das so gut wie nie passiert. Der angebliche Effekt Wakefields konnte nie von anderen Forschern belegt werden. In zwei großen Studien in den USA und Japan wurde er widerlegt. Wakefield beharrt auf den Ergebnissen als Einziger der 13 Forscher der abgesetzten Studie. Sie hält sich immer noch als Verschwörungstheorie in Internet-Foren. Donald Trump behauptete 2014 im US-Präsidentschaftswahlkampf, die Impfung verursache Autismus. In den USA nahm die Zahl der Erkrankungen an Masern, Mumps und Röteln dramatisch zu. Die Zahl an Autismus erkrankten Kindern sank nicht.



diekriminalisten.at, Februar 2018