„Korruption – Grundlage für Terrorismus und Organisierte Kriminalität“


 

       

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Sicherheit wird privatisiert

„Organisierte Kriminalität & Terrorismus, lokale und internationale Herausforderungen für die Polizei“ war Thema der Jahrestagung der IPES.

Terrorismus und Organisierte Kriminalität sind weltweit eine besondere Herausforderung für die Arbeit der Polizei. Indikatoren dafür, dass sich die generellen Rahmenbedingungen in den nächsten Jahrzehnten kaum verbessern werden, sind: Globalisierung, Erderwärmung, steigende Anzahl von Menschen, die aus verschiedensten Ursachen ihre Heimat verlassen wollen oder müssen, die zunehmende Kluft von Reich und Arm, Korruption, Terror und Organisierte Kriminalität. Insbesondere die verschiedenen Formen der Migration stellen die Polizeieinrichtungen vor höchste Herausforderungen.

Experten betonen zudem die enorme Gefahr, die von der Korruption als Grundlage für Terrorismus und Organisierte Kriminalität ausgeht.

In der Jahrestagung der IPES in Liverpool sprach ich als Keynotespeaker den Zusammenhang von Korruption, Betrug, Organisierter Kriminalität und Schattenwirtschaft an. Schattenwirtschaft begeht praktisch jeder von uns, es gilt aber auch als Eingangstor für die Organisierte Kriminalität, wodurch legales und illegales Einkommen vermengt wird und die Herkunft des Geldes nur sehr schwer nachvollziehbar wird. Dazu habe wir, eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern und Praktikern, im Jahre 2015 ein Buch verfasst, in dem vor allem Univ. Prof. DDr. Friedrich Schneider von der Johann Kepler Universität in Linz und Univ. Prof. Dr. Bojan Dobovsek von der Maribor University in Ljubljana die Bedeutung der Schattenwirtschaft darlegen.

John A. Eterno, Professor am Molly College in New York, berichtete über den Terrorismus in den Vereinigten Staaten. Etorno war aktiver Polizist des NYPD als der Terroranschlag am 9. September 2001 New York erschütterte. Für die USA stellte sich die Dezentralisierung der Polizeieinrichtungen als großes Problem bei der Bekämpfung des Terrorismus heraus. In den USA gibt es an die 17.000 verschiedene Polizeieinheiten, die nicht genügend miteinander vernetzt sind, sodass sich ein gewisser „Silo-Effekt“ einstellt – jeder kämpft für sich allein. Es habe daher einige Zeit gedauert, bis die Maßnahmen des Verteidigungsministeriums als Koordinationsinstitution und der Homeland-Security zu wirken begonnen haben, erklärte Etorno.

Viele terroristische At­tacken der letzten Jahre in den USA waren „homemade“, wie etwa die Straftaten des UNA-Bombers (1978 bis 1995), die Attacke in Oklahoma am 19. April 1995,  das Bombenattentat bei den Olympischen Spielen am 27.7.1996, die Anth­rax-Attacke im Jahr 2001, wobei 5 Personen getötet und 17 Personen verletzt wurden, die Attacke in Forst Hood am 11. Mai 2009 mit 13 Toten und 32 Verletzten, das Attentat beim Boston Marathon am 15.4.2013 mit 3 Toten und 264 Verletzten, die Attacke in Orlando am 12. Juni 2016 mit 49 Toten und 58 Verletzten und zuletzt bekannt New Jersey im Jahr 2016. Studien haben gezeigt, so Eterno, dass 44 Prozent der Terroristen innerhalb von 3o Meilen des Zielgebietes von Terroranschlägen wohnen und die Vorbereitung zur Tat innerhalb von sechs Monaten geschieht. Viele Tätergruppen agieren ohne Führung von außen.

Dr. Math Noortmann, der neue Vorsitzende von ACUNS, er ist Professor für Internationales Recht, Non-State-Actors, Peace und Sozialwissenschaften an der Coventry Universität in England, zeichnete ein Bild der Anforderungen an die Polizei in den nächsten Jahrzehnten. Ausgehend von den Erfahrungen, die in England und den USA gemacht werden, nimmt er an, dass die Privatisierung von Sicherheit massiv fortschreiten werde. Die Kriminalität der Zukunft werde für die Strafverfolgungsbehörden intellektuelle Höchstleistungen erfordern. Nicht berechenbar sei die technische Entwicklung, die die Polizei vor gänzlich neue Herausforderungen stellen werde. Als Beispiel führte er den boomenden Drohnenmarkt an, der auch Kriminellen neue Zugänge ermögliche.

Die anwesenden Akademiker und Praktiker konnten auf die Herausforderungen des Terrors und der organisierten Kriminalität keine umfassenden Lösungsansätze anbieten, aber immerhin Richtungen aufzeigen, in denen sich moderne, zukünftige Polizeiarbeit entwickeln sollte, um den Anforderungen gewachsen zu sein. Die noch engere und intensivere internationale Zusammenarbeit wird dabei einen hohen Stellenwert haben.                      

Maximilian Edelbacher

* IPES, das Internationale Polizei Exekutive Symposium, wurde 1994 vom ehemaligen Polizeichef von New Dehli, Indien, Univ. Prof. Dr. Dilip K. Das gegründet. Professor Das wanderte 1978 in die USA aus. Er lehrt zur Zeit als Kriminologe und Soziologe in Baltimor. IPES dient als Begegnungsplattform für Wissenschaftler und Praktiker. Seither finden jährlich ein oder zwei Tagungen zu aktuellen Polizeithemen statt. An der Tagung „Organisierte Kriminalität und Terrorismus und die Auswirkungen auf lokaler und internationaler Ebene“ nahmen 32 Experten aus 18 Staaten teil.

Web-Tipp: www.ipes.info.



diekriminalisten.at, Oktober 2017