90 Prozent der Weggewiesenen waren Männer.


 

       

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20 Jahre Gewaltschutz

Schutz in den eigenen vier Wänden.

Vor 20 Jahren – am 1. Mai 1997 – trat das Gewaltschutzgesetz in Kraft. Dieses Gesetz war ein Meilenstein in der Gewaltprävention – in vielerlei Hinsicht: Es stärkte Gewaltbetroffene und deren Rechte und nahm Gewaltausübende in die Verantwortung. Österreich gilt international als Vorbild und nimmt seither eine klare Haltung gegen Gewalt im privaten Bereich ein.

Das neue Gewaltschutzgesetz war das Resultat einer langen Zusammenarbeit der Frauenhausmitarbeiterinnen mit den Gewaltschutzzentren, den Interventionsstellen, der Polizei, Politik und Justiz. Mitte der 1980er-Jahre begannen Frauenhäuser und Polizei zu kooperieren und gemeinsame Schulungen und Fortbildungen abzuhalten. Ab den 1990er-Jahren wurde das Thema Gewalt in der Privatsphäre in der Ausbildung der Polizei verankert. Die Verantwortlichen in der Polizei erkannten, dass Gewalt in der Familie ein Thema ist, das am besten in Zusammenarbeit mit Opferschutzeinrichtungen und staatlichen Stellen gelöst werden kann.

Die Implementierung der Gesetze führte zu einem Paradigmenwechsel in der Gesellschaft. Lange war Gewalt in der Privatsphäre ein Tabu. Es galt als individuelles Problem der Frau als Betroffene. Heute muss nicht mehr das Opfer von familiärer Gewalt die Wohnung und das eigene Heim verlassen, sondern die gewaltausübende Person. Sie wird zur Verantwortung gezogen und hat mit Sanktionen zu rechnen – nach der Devise „Wer schlägt, muss gehen“.

8.000 Betretungsverbote. Derzeit werden jährlich mehr als 8.000 Wegweisungen und Betretungsverbote von der Polizei ausgesprochen und umgesetzt. Von Mai 1997 bis Ende Dezember 2015 wurden in Österreich insgesamt 107.069 Wegweisungen bzw. Betretungsverbote verhängt.

Mehr als 90 Prozent der Weggewiesenen waren Ehemänner, Ex-Partner oder Lebensgefährten der Frauen und Väter der Kinder. Jährlich erhalten mehr als 3.000 (im Jahr 2016 waren es insgesamt 3.261) Frauen und deren Kinder Schutz, Sicherheit und umfassende Betreuung in den österreichischen Frauenhäusern. Die Auslastung der Frauenhäuser ist hoch und derzeit sind 766 Plätze vorhanden. 2016 konnten 336 Frauen aus Platzmangel nicht aufgenommen werden.

Die anfänglichen Befürchtungen, Männer würden nach einer Wegweisung auf der Straße stehen, haben sich selten bewahrheitet. Gewaltausübende Männer werden informiert, finden Unterkünfte und können sich an Männerberatungsstellen wenden.

Eine weitere wichtige Tatsache und Errungenschaft ist, dass die Gewaltschutzgesetze laufend reformiert und im Sinne des Opferschutzes verbessert werden. Politik, Polizei und Justiz haben die Erfahrungen aus der Praxis der Opferschutzeinrichtungen ernst genommen und die Gewaltschutzgesetze mehrfach novelliert. 2013 wurde auch die Sicherheit der Kinder durch das Betretungsverbot an Schulen, institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen oder Horts samt Umkreis von 50 Metern verbessert.



diekriminalisten.at, Juni 2017