Heroin gilt heute als Droge der Verlierer


 

       

Bücher

Suchtforschung

Wie Sucht entsteht und wie sie bekämpft werden kann.

Sucht ist die Überdrehung eines Teils des Mechanismus im Gehirn, der für das Lernen zuständig ist: Der Mechanismus bewirkt, dass wir uns negative Situationen merken und mit der Markierung „Vermeiden!“ abspeichern. Dieser Mechanismus markiert auch positive Erlebnisse, und zwar mit dem Label „Anstreben!“. Verhilft uns eine Droge wie Alkohol mehrmals zu besonderen Erlebnissen, speichert das unser Gehirn und irgendwann kann es sein, dass der Lernmechanismus überdreht wird und wir in die Sucht verfallen.

Der Mechanismus im Gehirn ist alt. Aber Missbrauchsmuster haben auch eine soziale Komponente und diese entwickelt sich weiter. Heroin gilt heute als „Droge der Verlierer“ und Cannabis wird immer mehr zur Volksdroge. Während früher nur wenige die Legalisierung von Gras & Co forderten, sind es heute auch Kranke, die Cannabis als Schmerzmittel verlangen. Kokain ist keine Schickimicki-Droge mehr und Diskussionen zwischen Rauchern und Nikotin-Gegnern sind besonders hitzig. Obwohl der Zusammenhang zwischen Lungenkrebs und Rauchen zig-fach nachgewiesen ist, führen Raucher auch positive Argumente ins Treffen.

Zu den bestehenden Missbrauchsmustern kommen immer wieder neue. Im Jahr 2007 brachte Reinhard Haller sein Buch „(Un)Glück der Sucht“ heraus und im selben Jahr kam das erste i-Phone auf den Markt. Sehr rasch entwickelte sich das Smartphone – egal, ob von Apple oder Samsung – zur Quelle einer neuen Sucht, und das, obwohl Haller bereits in der ersten Auflage das Krankheitsbild des Internet- und des Computersüchtigen beschrieben hatte.

Sucht hat immer wieder dieselben Merkmale: Dominanz des Suchtmittels, Dosissteigerung, Toleranzentwicklung (man verträgt immer mehr vom Suchtmittel), Entzugserscheinungen und Kontrollverlust (man spielt bis zum Umfallen).

Was hilft, ist eine Therapie – allerdings unter intensiver Beteiligung der oder des Suchtkranken. Das Wichtigste steht am Anfang: Die Selbsterkenntnis, ein Suchtproblem zu haben.

Reinhard Haller: „Nie mehr süchtig sein – Leben in Balance“, Ecowin Verlag, Wals bei Salzburg, 2017; www.ecowin.at


diekriminalisten.at, Juni 2017