Die Kriminalisten 2018

Ausdauer, Beharrlichkeit und Kreativität

Die Vereinigung österreichischer Kriminalisten ehrte zum fünfzehnten Mal kriminalistische Höchstleistungen. Drei Ermittlungsgruppen waren am 12. Oktober 2018 im Wiener Rathaus im Finale des Bewerbs um den „Kriminalisten 2018“. Der „Ernst-Hinterberger-Preis“ für das kriminalistische Lebenswerk wurde an Oberst Karl-Heinz Pracher und posthum an Mag. Rudolf Unterköfler vergeben.

Kinderpornografie-Ermittler vom Landeskriminalamt Wien wurden „Kriminalis­ten des Jahres 2018“. Die Mitglieder der „Sonderkommission Gambit“ aus dem Bundeskriminalamt wurden Zweite. Dritte wurde eine Kriminalistengruppe vom Stadtpolizeikommando Linz. Den „Ernst-Hinterberger-Preis“ für ihr Lebenswerk erhielten der verstorbene Wirtschaftskriminalist Mag. Rudolf Unterköfler posthum und der Leiter des Landeskriminalamts Karl-Heinz Pracher.
Es war ein Mix aus Hightech-Ermittlungen und im Staub-Wühlen im Kinderporno-Milieu, der die Kriminalisten aus dem Ermittlungsbereich „Sexualdelikte“ des Landeskriminalamts (LKA) Wien um Peter Brozek zum Erfolg führte – und ihnen den Preis „Kriminalisten des Jahres 2018“ einbrachte. Die Beamten hatten Beweise aus dem Netz und Belege durch klassische Kriminalbeamtenarbeit erbracht und mit Vernehmungen mit den Verdächtigen abgesichert. Auf Grund der hohen Ermittlungsqualität blieb es 13 Kindern, den Opfern des Kinderpornonetz-Anteils in Wien, erspart, vor Gericht auszusagen. Insgesamt 15 Männer wurden weltweit verhaftet. Einer der Haupttäter, ein Wiener, hatte seine beiden Kinder und weitere Buben und Mädchen zum Missbrauch „vermietet“. Er wurde zu 14 Jahren Gefängnis plus Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher rechtskräftig verurteilt. Alle ausgeforschten Mittäter erhielten mehrjährige Gefängnisstrafen.
„Uns als ‚Vereinigung österreichischer Kriminalisten‘ ist es wichtig, solche Leistungen vor den Vorhang zu holen und entsprechend zu würdigen“, sagte Mag. Alfred Ellinger, Präsident der „Kriminalsten“ am 12. Oktober 2018, im Wiener Rathaus bei der Feier zum „Kriminalisten des Jahres“. Ausdauer, Beharrlichkeit, Ideenreichtum und Bereitschaft zur Knochenarbeit würden die Preisträger auszeichnen.
Landespolizeipräsident Dr. Gerhard Pürstl betonte, auch in einer „großen Behörde wie Wien sind Einzelleistungen unabdingbar“. Bundeskriminalamtsdirektor General Franz Lang, der als stellvertretender Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit anwesend war, unterstrich die Rolle der Kriminalpolizei in der Generaldirektion. Mag. Erwin Fuchs, stellvertretender Landespolizeidirektor von Oberösterreich, hob hervor, dass auch in „kleinen“ Landespolizeidirektionen herausragende kriminalpolizeiliche Arbeit geleistet werde. Teamarbeit sei zwar ein typisches Merkmal guter kriminalpolizeilicher Arbeit, aber auch Einzelleistungen seien unverzichtbar.

„Sonderkommission Gambit“. Zweite im Bewerb um den „Kriminalisten 2018“ wurde hinter den Kriminalisten aus dem LKA Wien um Peter Brozek ein Team, bestehend aus Beamten des Bundeskriminalamts, das mit der Bekämpfung der organisierten Kriminalität beschäftigt ist. „Die organisierte Kriminalität hat sich in den letzten zwanzig, dreißig Jahren enorm gewandelt“, sagte bei der Preisverleihung im Rathaus Dr. Michael Fischer, stellvertretender Direktor des Bundeskriminalamts. Globalisierung, Kriminalität im Cyber-Raum und internationale Vernetzung seien nicht nur Schlagworte.
Alle drei Aspekte bildeten sich in dem Fall ab, für den die Mitglieder der „Soko Gambit“ den zweiten Preis zum „Kriminalisten 2018“ erhielten. Das Team der Soko, deren Leiter Brigadier Dieter Csefan und Chefinspektor Thomas Rossa waren, hatte es mit einer Gruppe zu tun, deren Haupttäter unter anderem auf besonders brutale Weise für Schutzgelderpressungen verantwortlich waren. Ein besonderes Erfolgskriterium war, dass die Krimina­lis­ten nicht mit dem Tag aufhörten zu ermitteln, mit dem sie die Hauptverdächtigen hinter Schloss und Riegel gebracht hatten. Sie führten weitere Erhebungen und deckten weitere erhebliche Straftaten auf.

Suchtgiftermittler aus Linz. Dritte im Bewerb um den „Kriminalisten des Jahres“ wurde eine Gruppe vom Stadtpolizeikommando Linz. Die Kriminalbeamten aus dem Suchtmittelbereich forschten drei Haupttäter aus, ihre 14 Unterläufer und 70 regelmäßige Endabnehmer. Schritt für Schritt hantelten sie sich in der Hierarchie der Suchtgiftbande hoch. Die Drogenhändler hatten vorwiegend Crystal Meth in Umlauf gebracht, eine besonders angriffige Droge, die besonders rasch zum Verfall der Konsumenten führt. Die Haupttäter hatten das Suchtgift aus Tschechien importiert. Sie und ihre Verkäufer hatten in Saus und Braus gelebt. Nach ihrer Ausforschung wurden sie angeklagt und zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Lebenswerk. Der „Ernst-Hinterberger-Preis“ für ein Lebenswerk wurde heuer an zwei Kriminalisten vergeben: an den Leiter des Landeskriminalamts Salzburg Karl-Heinz Pracher und posthum an den verstorbenen Leiter der Abteilung zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität im Bundeskriminalamt Mag. Rudolf Unterköfler. Die Laudatio für den Wirtschaftskriminalisten hielt General Franz Lang, den einiges mehr mit Unterköfler verband, als dass er als Direktor des Bundeskriminalamts sein Vorgesetzter war. Lang und Unterköfler hatten unter anderem im selben Jahrgang an derselben Schule maturiert – „er vier Tage vor mir“, schilderte Lang. Danach war Unterköfler zur Polizei und Lang zur Gendarmerie gegangen.
Rudolf Unterköfler war im Oktober 2017 plötzlich verstorben. Seine Witwe nahm den „Ernst-Hinterberger-Preis“ für das Lebenswerk ihres verstorbenen Mannes entgegen. „Noch nie habe ich so viele Kriminalbeamte an einem Grab gesehen“, betonte Franz Lang. Rudolf Unterköfler war für seine ruhige, besonnene und beharrliche Art und Weise bekannt – „auch wenn er es sich mit den Größen der Wirtschaftskriminalität angelegt hat“, erzählte Lang. „Er hat sich keine leichten Gegner ausgesucht.“
Unterköfler begann bald, nachdem er zur Polizei gegangen war, Jus zu studieren. 1994 war er als Polizeijurist zur Wirtschaftspolizei in Wien zugeteilt worden. Später kam er ins Bundeskriminalamt, baute dort die Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität mit auf und wurde letztlich erster Leiter der neu eingerichteten Abteilung 7. „Jetzt, ein Jahr nach seinem Ableben, ist das Loch immer noch spürbar, das sein Tod in diese Einheit gerissen hat“, sagte Franz Lang. Unterköfler sei nicht nur polizeiintern hoch geschätzt gewesen, er habe sich auch außerhalb der eigenen Reihen einen Namen gemacht und Respekt und Wertschätzung verschafft. Selbst Generalsekretär Mag. Christian Pilnacek, Leiter der Sektion „Strafrecht“ im Justizministerium, betonte, Rudolf Unterköfler habe die Wirtschaftsermittlungen in Österreich geprägt. Franz Lang unterstrich: „Wir werden noch viele Jahre von den Erfahrungen profitieren, die uns Rudolf Unterköfler weitergegeben hat.“

Von der Rathaus-PI ins LKA. Der zweite Ernst-Hinterberger-Preisträger, Landeskriminalamtsleiter von Salzburg, Oberst Karl-Heinz Pracher, hat seine Polizeikarriere im damaligen Wachzimmer (heute Polizeiinspektion – PI) Rathaus in der Stadt Salzburg begonnen. Sein Laudator bei der Feier zum „Kriminalisten des Jahres“ war Landespolizeidirektor Dr. Franz Ruf.
Pracher absolvierte 1984 den Kriminalbeamtenkurs und stieg wenig später zum leitenden Beamten auf. Er war in der Suchtmittelbekämpfung und im Kampf gegen die Rotlichtkriminalität eingesetzt. 2001 ging er als stellvertretender Kontingenzkommandant zu einem Polizeieinsatz in den Kosovo. 2002 kam er zurück und wurde leitender Beamter im Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) in Salzburg. Im September 2012 nach der Behördenreform und der Einrichtung der Landespolizeidirektion Salzburg wurde Pracher Leiter des Landeskriminalamts. „Unter anderem ist es ihm zu verdanken, dass die Aufklärungsrate in unserem Bundesland von 34,6 auf 52,2 Prozent gestiegen ist“, betonte Franz Ruf in seiner Laudatio. Mit viel Herzblut und Engagement habe Pracher erreicht, was er heute sei: „Eine integre Gesamtpersönlichkeit“. „Er ist ein treuer Kamerad und verlässlicher Freund, der sich über die Grenzen der Polizei hinaus Anerkennung erarbeitet hat“, sagte Landespolizeidirektor Ruf.