Kiberer Blues

Tarbia, Taleem und Ghairat

Die Statistik sagt: Die Kriminalität in Österreich ist im Sinken! Brauchen wir dann überhaupt das Sicherheitspaket und zusätzliche Polizisten? Und hatte die Migrationswelle überhaupt einen Einfluss auf die Sicherheitslage?

Minus 5,1 Prozent sagte die im Frühjahr präsentierte Kriminalstatistik von 2017. Und die Halbjahreszahlen von 2018 bestätigten den Trend: - 13 % Wohnraumeinbrüche, - 14 % Kfz-Diebstähle, sogar ein leichter Rückgang bei Wirtschaftsdelikten (- 2 %) und Gewaltdelikten (- 4 %).
Gutes Ergebnis. Also alles super? Nun, erstens kann die österreichische Polizei durchaus stolz sein auf das Ergebnis. Vor allem im internationalen Vergleich. Zustände wie in Deutschland, wo Clans ganze Stadtviertel übernommen haben, gibt es in Österreich nicht. Wobei auch hier der Kampf um den öffentlichen Raum stattfindet, aber dazu später.
Aber zweitens, Kriminalität ist – wie alles auf der Welt – einer permanenten Veränderung unterworfen, auf die die Polizei nur einen bedingten Einfluss hat. Täter passen sich an veränderte Bedingungen an und haben über die Jahre auch unterschiedliche Bedürfnisse, die gestillt werden wollen. Die Kriminalität im Wien der Nachkriegszeit war eine andere als in den „goldenen“ Kreiskyjahren und ist heute wieder im Wandel.

Prävention wirkt. Österreich hat sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Zerfall von Jugosla­wien und der damit verbundenen Welle von spontanen Eigentumsverschiebungen nach und nach in eine Festung verwandelt. Jugendliche können sich heute kaum vorstellen, dass es Geschäfte ohne Warensicherung, ohne Videoüberwachung und ohne Securitypersonal gegeben hat. Dass sich Häuselbauer früher kaum um Alarmanlagen oder eine Sicherheitstüre gekümmert haben. Der Rückgang bei Bank- und Juwelierüberfällen ist sicher auch zu einem Gutteil den massiv gestiegenen Sicherheitsvorkehrungen zu verdanken.

Wirtschaft statt Kriminalität. Apropos Eiserner Vorhang: Die große Not nach dem Fall des Kommunismus in den Ostblockländern ist Geschichte, mittlerweile gibt es erste Erfolge der Marktwirtschaft und der EU-Förderungen. Man muss nicht mehr zum Stehlen in den Westen fahren, man kann auch so überleben. Aber, genauso wie am Arbeitsmarkt hat es eine Verschiebung auf weiter entfernte Länder gegeben. Moldawische Tätergruppen waren vor wenigen Jahren noch absolute Exoten, jetzt gehören sie zum Alltag.

Wohin geht die Reise? Das Internet hat in jede Stube Einzug gehalten und damit war klar, dass sich auch unsere Gegenseite für das Thema interessieren wird. Wozu mit der Pistole losziehen, wenn es mit ein paar Mausklicks viel bequemer geht! Cybercrime (+ 7 %) wird das Thema der nächsten Jahre. Es ist für die Kriminalisten fünf nach zwölf um endlich jede Dienststelle mit echtem Fachpersonal zu besetzen!
Und man muss die Kirche im Dorf lassen: Auch wenn es beispielsweise am Einbruchssektor einen leichten Rückgang gibt, so bedeutet das immer noch mehrere Tausend aufgebrochene Wohnungen und Häuser pro Jahr. Inklusive traumatisierter Opfer.

Österreich unattraktiv machen. Sobald die Polizei in einem Bereich nachlässt, den Ermittlungsdruck verringert, wird von unserem Gegenüber sofort reagiert. Die Profis sind äußerst gut über die Entwicklungen bei Polizei und Justiz informiert. Und Österreich steht hier in Konkurrenz zu den anderen Ländern, die lohnende Ziele für Kriminelle darstellen. Österreich hat den geografischen Nachteil, für viele Täter aus dem ehemaligen Ostblock und dem ehemaligen Jugoslawien die erste lohnende Station zu sein. Daher muss Österreich für die reisenden Täter so unattraktiv wie möglich sein.

Keine Reform. Es ist also sicher nicht angebracht, die derzeitigen Ermittlungsbereiche neu zu organisieren (außer – sollte ich es noch nicht erwähnt haben – die Schaffung eines Ermittlungsbereichs Computerkriminalität). Die Lage kann sich schnell wieder ändern und das Wort „Reform“ ist bei den Kriminalis­ten ebenso positiv besetzt wie z.B. „nässender Ausschlag“ oder „Hotelkommandierung“. Bei der Zuteilung von neuem Personal kann man auf die neuen Herausforderungen reagieren und muss weniger Mitarbeiter vor den Kopf stoßen.

Gewalt, Sex und Drogen. Aber die Kriminalität geht nicht in jedem Bereich zurück, das wäre ja zu schön. Massive Steigerungen gibt es bei Messerangriffen (eine Verdreifachung in den letzten 10 Jahren), bei den Sexualdelikten (Vergewaltigungen +43 Prozent im Halbjahresvergleich zu 2017) und im Suchtgiftbereich (die näheren Zahlen dazu in der nächsten Geschichte). Diese drei Deliktsfelder haben einige Gemeinsamkeiten: Fremde und Asylwerber sind überproportional vertreten, die Delikte werden oft im öffentlichen Raum begangen und sie sind geeignet, das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung massiv zu beeinträchtigen.
Prävention ist bei Sexualdelikten ganz schwierig. Weil man dadurch schnell jene Freiheit aufgibt, die in Mitteleuropa selbstverständlich sein sollte. Sobald man Frauen raten muss, nicht mehr alleine, nicht mehr zu einer gewissen Uhrzeit, nicht in alkoholisiertem Zustand, nicht mehr in gewissen Gegenden oder gar „nicht mit aufreizender Kleidung“ unterwegs zu sein, haben wir Zustände wie im Kalifat. Im Schnitt passieren in Österreich 16 Sexualdelikte (vom Pograpschen bis zur Vergewaltigung) täglich. Da nützt es für das Sicherheitsgefühl der Bürger wenig, dass viele Sexualdelikte immer noch in den eigenen vier Wänden und oft nicht vom „bösen schwarzen Mann“ sondern vom „guten Onkel“ oder Partner begangen werden.

Guter Rat ist teuer. Genauso schwer ist es, dem Bürger Verhaltensmaßregeln zum Thema Messerangriff zu geben. Diese Revierkämpfe und das Verteidigen der „Ehre“ sind ein Krebsgeschwür für die Gesellschaft. Es passiert im öffentlichen Raum und die Polizei ist keine Hilfe, da in 99 % der Fälle zu spät am Tatort. Die Täter entsprechen oft dem Klischee vom jungen Migranten. Und jeder einzelne Vorfall treibt einen Keil zwischen „uns“ und „denen“.
Wobei diese Spaltung von manchen Gruppen auch bewusst eingesetzt wird. Nicht nur die Neonazis nutzen diese Angst für ihre Zwecke, auch bei den betroffenen Ethnien wird damit Angst geschürt, um ihre Reviere abzustecken. Um sich auf der Straße den nötigen Respekt zu verschaffen.

Die Studie. Und diese Gewaltbereitschaft ist tief verwurzelt. Das Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation (VIDC) hat eine Studie über Afghanen in Österreich publiziert. Und die Ergebnisse stimmen nicht optimistisch: Körperliche Bestrafungen sind selbstverständlich, sowohl in der Familie („Tarbia“ – Moral und Charakter) oder in der Schule („Taleem“ – Ausbildung).
Damit ist aber nicht die „gesunde Watschen“ gemeint sondern systematische Prügel, auch mit Stöcken oder Kabeln.
„Ghairat“ ist die Ehre, die es zu verteidigen gilt, dazu gehören auch die Ehefrauen, Schwestern und die Mutter. Die Ehre wird am besten bewahrt, indem die Frauen in den eigenen vier Wänden bleiben. Ein paschtunisches Sprichwort heißt: „Eine Frau ist entweder im Haus oder auf dem Friedhof“. Bedeutet: Im Idealfall ist das eigene Begräbnis die erste Gelegenheit für die Frau, das Haus zu verlassen!

Wegen der Kultur. Im Fall jenes Afghanen, der seine Schwester mit 28 Stichen ermordet hat, um die Familien­ehre zu retten, sagte dieser, er habe die Straftat „wegen der Kultur“ begangen. Sein Anwalt Nikolaus Rast betonte, dass sein Mandant „nach seiner Flucht gewisse Sitten und Riten nicht abgelegt hat. Er bzw. seine Familie hätten sich nicht nach dem Land gerichtet, in dem er lebt.“
Ähnlich der Fall jenes 17jährigen Syrers Abdullah A., der im März in Hannover die 24jährige Verkäuferin Vi­vien K. niedergestochen hat. Sie wollte nach einer Auseinandersetzung in ihrem Supermarkt den Streit schlichten. Die Messerklinge brach ihre Rippen, Milz und Teile der Bauchspeicheldrüse wurden entfernt, die junge Frau lag im Koma. Der Anwalt des jungen Syrers gab eine schriftliche Erklärung ab: „Der Beschuldigte kennt es aus seiner Kultur so, dass Konflikte mit dem Messer ausgetragen werden. Er beschreibt die regionalen Bräuche wie folgt: Wird man beleidigt, darf man zustechen. In schweren Fällen darf man die Person töten. Er führt aus, dass sein Verhalten nach den religiösen Anforderungen nicht zu beanstanden war und begreift nicht, weshalb er in Haft sitzen muss.“

Serbisches Gericht. Im Sommer wurde in einem Meidlinger Lokal ein „serbisches Gericht“ (allein diese Bezeichnung sollte wohl alle Integrationsspezialisten auf Trab bringen) abgehalten. Eine Frau wollte sich von ihrem Mann trennen, da sie einen anderen Mann liebt. Dummerweise war der auch erschienen, was mit einer Massenschlägerei auf der Straße und zwei Lungenstichen für den jungen Romeo endete...

Keine Gefährderliste. IS-Terroris­ten gehen europaweit auf Polizisten und Soldaten mit Messern los. Revierkämpfe im Drogenhandel werden mit Messern ausgetragen. Die verletzte Fami­lien­ehre muss mit dem Messer wiederhergestellt werden. Und nun auch noch Streitereien aus Kleinigkeiten, die tödlich enden können. Begangen von Tätern, die in ihrer Heimat so sozialisiert wurden. Die ihr Handeln für richtig halten. Die gegen ihre Überzeugung und ihre Religion handeln würden, wenn sie nicht zustechen. Die aber in keiner Gefährderliste aufscheinen und die ganz normal unter uns leben – bis sie sich provoziert fühlen. Was kann da schon schiefgehen?
Herbert Windwarder

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