Polizeidiensthunde

Spezialisten auf vier Pfoten

Bei schwierigen Kriminalfällen haben Diensthunde den „richtigen Riecher“.

Sie sind bestens eingespielte Teams und haben schon zur Lösung zahlreicher Kriminalfälle beigetragen: Polizeidiensthundeführer und ihre vierbeinigen Partner mit Spezialausbildung in den Bereichen Sprengstoff, Suchtmittel, Brandmittel, Leichen und Blut, Banknoten und Dokumente oder Fährte. Laut Oberstleutnant Rudolf König, B.A., Kommandant der Polizeidiensthundeeinheit (PDHE) Wien, zeichnen Suchmotivation und Talent die Spezialisten unter den Diensthunden aus: „Schon bei der Nasenarbeit in der Grundausbildung erkennt man daran, wie ruhig und intensiv ein Hund sucht, seine Veranlagung zum Spürhund.“
Rund 50 Prozent der Diensthunde absolvieren nach der Grundausbildung zum Schutz- und Stöberhund eine Zusatzausbildung, bei der sie auf bestimmte Geruchsträger konditioniert werden. Dabei ist immer nur eine Spezialisierung möglich, da man sonst nicht erkennen würde, welche Substanz angezeigt wird. Ein Hund hat weder Vorlieben für gewisse Gerüche noch Abneigungen, auch nicht gegen Verwesungsgeruch. Die Spezialisierung hängt vom Bedarf und vom Interesse des Hundeführers für den jeweiligen Bereich ab.
Die am Standort Wien-Strebersdorf stationierte PDHE Wien ist für die Bundeshauptstadt und im Bedarfsfall für das gesamte Bundesgebiet zuständig. „Wenn alle im Einsatz sind und spontan ein weiterer Diensthund gebraucht wird, holen wir einen Kollegen aus der Freizeit – oder aus einem anderen Bundesland“, erklärt König und nennt als Beispiel für einen Fall, bei dem Diensthunde aus mehreren Bundesländern angefordert wurden, die Suche nach dem mutmaßlichen Doppelmörder Friedrich F. aus Stiwoll.

Suchtmittelspürhunde gefragt. Mit rund hundert Einsätzen pro Monat sind die 20 Suchtmittelspürhunde die „gefragtesten“ unter den Diensthunden mit Spezialausbildung der PDHE Wien. Im präventiven Bereich zählen fremden- oder kriminalpolizeiliche Lokalkontrollen sowie die Suche nach Verbunkerungen im öffentlichen Raum zu ihren Aufgaben, gezielt kommen sie etwa zur Unterstützung bei Hausdurchsuchungen zum Einsatz. „Suchtmittelhunde werden oft vom Landeskriminalamt Wien angefordert, z. B. wenn es Hinweise gibt, dass eine Drogenlieferung angekommen ist“, so König.
Suchtmittelspürhunde sind auf alle gängigen Suchtmittel konditioniert, wobei sie nicht die Wirkstoffe, sondern die Leitsubstanzen erschnüffeln. Jeder Hundeführer erhält einen Koffer mit Suchtmitteln in Straßenqualität als Trainingsmaterial, mit dem auch fertig ausgebildete Suchtmittelhunde laufend üben. Werden bisher unbekannte Suchtmittel sichergestellt, fügt man Proben davon dem Trainingsmaterial hinzu.

Terrorgefahr. Bei der Zahl der Anforderungen liegen Sprengstoffspürhunde aufgrund der Terrorgefahr mittlerweile an zweiter Stelle. So ist etwa die Anzahl der Gepäckkontrollen am Flughafen Wien-Schwechat, präventiv und nach konkreten Hinweisen, deutlich gestiegen. Die meisten Zuwächse hat es beim präventiven Veranstaltungsschutz gegeben, bei dem nicht nur die Veranstaltungsörtlichkeiten, sondern ebenso Unterkünfte und Fahrzeuge überprüft werden. Die Kontrollen erfolgen sowohl offen als auch – etwa in Hotels – verdeckt. Eine besondere Herausforderung stellen internationale Konferenzen wie die der OSZE im Dezember 2017 in der Wiener Hofburg dar.
„Man kann nicht mit zwei Hunden in ein paar Stunden die ganze Hofburg durchsuchen und dann sicher sagen: 'Da ist nichts'“, weist Abteilungsinspektor Günther Rosskopf, Ausbilder bei der PDHE Wien, darauf hin, dass auch die Kontrolle durch Sprengstoffspürhunde keine absolute Sicherheit garantieren kann. Als weiteres Beispiel führt er den Fund eines verdächtigen Rucksacks an: „Das Sachkundige Organ Sprengstoff hat gesagt: 'Wenn der Hund keinen Sprengstoff anzeigt, dann mach ich den Rucksack auf.' Da steht der Hundeführer unter einem enormen Druck.“
In Zeiten, in denen man Anleitungen zum Bombenbau im Internet findet, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, auf Sprengstoffe Marke Eigenbau zu stoßen. Diese sind im Gegensatz zu militärischen nicht handhabungssicher – auch nicht, wenn der Zünder fehlt – was sogar für das Training ein gewisses Risiko mit sich bringt. Ihre Funde zeigen Sprengstoffspürhunde aus Sicherheitsgründen passiv durch Hinlegen an.

Brandstiftung? Die Brandmittelspürhunde der PDHE Wien werden fast ausschließlich von der zentralen Brandermittlungsgruppe des Landeskriminalamts angefordert – was den Vorteil hat, dass die Hundeführer mit Chefinspektor Armin Ortner, dem Leiter der Gruppe, nur einen Ansprechpartner haben; die Zusammenarbeit wird bei gemeinsamen Trainings mit den Brandermittlern perfektioniert. Die Hunde kommen zum Einsatz, wenn die Brandursache unklar ist oder Verdacht auf Brandstiftung besteht. Sie sind in der Lage, geringste Mengen eines Brandbeschleunigers wie Benzin oder Nitroverdünnung im Brandschutt aufzuspüren, was ihnen sogar im Freien je nach Witterung bis zu einer Woche nach dem Brand gelingt.
Brandmittelspürhunde bewegen sich langsam und vorsichtig, daher nehmen sie, wenn sie keinen Pfotenschutz tragen, auch Stellen mit höheren Temperaturen wahr und vermeiden somit Verbrennungen. Die größten Gefahren für den Hund gehen von herabstürzenden Teilen aus – und von giftigen Substanzen, wenn sie oral aufgenommen werden, so König: „Bei einem Brand in einer Kärntner Firma hat ein Hund Benzol aufgenommen und ist daran fast verendet. Grundsätzlich fragen wir die Kollegen immer, was gebrannt hat und ob die Stoffe giftig sind.“ Generell sind Brandmittelspürhunde so gesund wie ihre nicht in diesem Bereich eingesetzten Artgenossen; das weiß man aufgrund regelmäßiger Gesunden- und Blutuntersuchungen der Tiere.
Entdeckt ein Brandmittelspürhund Spuren eines Brandbeschleunigers, legt er sich hin und zeigt die Stelle zwischen den Vorderläufen an. So wird der Hund durch den Brandschutt nicht verletzt und vernichtet keine Spuren. Nun sind die Brandermittler am Zug, die eine Probe nehmen und analysieren lassen. Als bekanntes Beispiel für den erfolgreichen Einsatz von Brandmittelspürhunden nennt König den Brand des ehemaligen Schuh-Ski-Gebäudes auf der Donauinsel im September 2004: Polizeihunde erschnüffelten Benzin als Brandbeschleuniger, wodurch ein versuchter Versicherungsbetrug bewiesen werden konnte.

Leichen und Blut. Der Einsatzbereich von Leichen- und Blutspurhunden ist groß, „von der Messerstecherei im öffentlichen Raum bis zum Gewaltverbrechen in der Wohnung“, so König. Unterschiedliche Ermittlungsbereiche des LKA Wien fordern die Hunde an, etwa bei Verdacht auf ein Gewaltverbrechen oder bei Abgängigkeit. Ob der Gesuchte noch lebt oder nicht, ist für die Hunde egal, da sie in Österreich immer sowohl für Blutspur als auch für Leichen ausgebildet werden. Sie reagieren ausschließlich auf Blut und andere Körperflüssigkeiten von Menschen sowie auf deren Verwesungsgeruch. Als einzige vierbeinige „Spezialisten“ sind Leichen- und Blutspurhunde darauf trainiert, ihren Fund durch Verbellen anzuzeigen.
Die Hunde nehmen Blutspuren, z. B. auf einer Waffe oder am Boden, sogar wahr, wenn diese nicht sichtbar sind und der Täter versucht hat, sie zu beseitigen. Dass Leichen- und Blutspurhunde selbst in Beton eingegossene Leichenteile riechen können, bewies im Vorjahr folgender kurioser Fall: Ein Steirer hatte die Leiche seiner nach dem Konsum oxazepamhältiger Tabletten verstorbener ungarischer Bekannten unter einer Stiege einbetoniert, was im Zuge der Ermittlungen wegen Mordes von einem Leichen- und Blutspurhund angezeigt wurde.
Hunde, die eine Zusatzausbildung für die Leichensuche zu Wasser absolviert haben, können auch aus Gewässern aufsteigende Verwesungsgerüche erschnüffeln. Erschwert wird die Leichensuche dabei durch Wind und Strömungsgeschwindigkeit; aufgrund dieser Einflussfaktoren zeigt der Hund nicht die genaue Stelle an, sondern schränkt das Suchgebiet für die Taucher ein. Gefunden werden dann oft nur mehr Leichenteile, da die sterblichen Überreste von Wasserleichen früher oder später in den Mägen von Fischen landen.

Falsifikate. Geld „stinkt“ bekanntlich ja nicht, hat aber einen typischen Geruch, der sich aus dem verwendeten Papier und der Druckfarbe ergibt. Echte Banknoten und gute Fälschungen, aber auch Dokumente bzw. deren Falsifikate können daher von einer geschulten Hundenase erkannt werden. Diese Fähigkeit kommt der Kriminalpolizei insbesondere im Bereich der Organisierten Kriminalität zugute. Banknoten- und Dokumentenspürhunde werden häufig vom Bundeskriminalamt angefordert, das die Hunde mitunter sogar zu Ermittlungen ins Ausland schickt. Damit sie immer auf dem neuesten Stand bleiben, stellt ihnen die Oesterreichische Nationalbank aktuelle Fälschungen als Trainingsmaterial zur Verfügung.
Echte Scheine erschnüffelte ein Banknoten- und Dokumentenspürhund nach einem Bankraub in der Donaustadt in einem Versteck im Keller. Auch wenn kein Täter geschnappt wurde, fand ein scheinbarer Kriminalfall in Floridsdorf durch den Einsatz eines Banknoten- und Dokumentenspürhunds ein gutes Ende: Bei einer Pensionistin, die glaubte, man habe ihre Ersparnisse entwendet, wurden von ihr selbst an mehreren Plätzen in der Wohnung deponierte 150.000 Euro gefunden – sie hatte einfach vergessen, wo die Verstecke waren.

Personensuche. Alle Polizeidiensthunde verfügen über die Ausbildung zum Schutz und Stöberhund, sie werden rund tausendmal pro Jahr zur Suche nach Personen, etwa versteckten Einbrechern angefordert. Fährtenhunde orientieren sich einerseits am Individualgeruch, der vor allem durch Schweiß, Kleidung und verwendete Kosmetika entsteht, andererseits an dem durch mechanische Bodenverletzungen hervorgerufenen Geruch beschädigter Kleinstlebewesen und Pflanzen. Die Nachverfolgbarkeit der Spur hängt von der Witterung ab; ideal ist feuchtes, nicht zu kaltes Wetter als beste Voraussetzung für Bakterienwachstum.
Im urbanen Bereich setzt man Hunde mit Spezialfährtenausbildung ein, die Spuren auch auf festem Grund folgen können. Man arbeitet dabei mit Geruchsträgern wie z. B. einer von einem Bankräuber weggeworfenen Sturmhaube.