Kriminalität

Soforthilfe gegen Cybercrime

Die Wirtschaftskammer Wien richtete die Notfall-Hotline 0800 888 133 für von Internetkriminalität betroffene Unternehmen ein.

Cyberkriminalität ist eines der wenigen Kriminalitätsfelder, das weiter wächst. In Wien steigt die Zahl der Anzeigen jedes Jahr um über 31 Prozent. Wir wollen unseren Unternehmen Unterstützung und vor allem schnelle Hilfe im Fall der Fälle bieten. Deshalb bietet die Wirtschaftskammer Wien ab sofort unter 0800 888 133 eine eigene Notfall-Hotline an, die jeden Tag 24 Stunden besetzt ist“, sagt Martin Heimhilcher, Obmann der Sparte Information und Consulting in der Wirtschaftskammer Wien. Die Hotline bietet Beratung und vermittelt bei Bedarf IT-Experten.
Auch die Höhe der durch Cybercrime verursachten Schäden ist im Steigen. Internationale Erhebungen gehen von einem weltweiten Schaden von 600 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 aus. Heimhilcher: „Für Österreich bedeutet das einen Schaden von mehreren 100 Millionen Euro“, sagt Heimhilcher.

5.600 Anzeigen in Wien. Leopold Löschl, Leiter des Cyber Crime Competence Centers (C4) im Bundeskriminalamt, skizziert die aktuelle Entwicklung: „Letztes Jahr ist die Zahl der Anzeigen wegen Cybercrime-Delikten in Wien um über 31 Prozent auf rund 5.600 gestiegen. In den letzten vier Jahren lag das Wachstum immer über dreißig Prozent.“ Damit kommt ein Drittel aller Anzeigen in Österreich aus Wien. Die Zuwachsraten sind im Österreich-Schnitt deutlich niedriger. Löschl: „Man sieht, dass sich Cybercrime sehr stark in Wien abspielt.“
Laut Löschl werden die Cyberkriminellen deutlich einfallsreicher und professioneller. „Phishing-Mails waren früher vor allem auf Grund sprachlicher Unzulänglichkeiten noch relativ einfach zu erkennen. Das ist heute deutlich schwieriger. Zudem versuchen Kriminelle ihre Opfer zusätzlich in Stresssituationen zu bringen“, sagt Löschl. Gleichzeit wird die Szene immer internationaler. In der Kriminalitätsbekämpfung werde ebenso international kooperiert. Je weniger die Länder auf Cyberkriminalität eingestellt sind, desto schwieriger werde die Kooperation aber. Löschl: „Wichtig ist, dass Cybercrime-Opfer Anzeige bei der Polizei erstatten.“ Die Dunkelziffer sei in der Internet-Kriminalität besonders hoch.

KMU besonders gefährdet. Werden also die Kriminellen auf der einen Seite immer trickreicher, vervielfältigen sich auch die Wege möglicher Cyberattacken. „Die häufigsten Angriffswege sind E-Mail, Web-Browser, das Netzwerk, Social Engineering und nicht zu vergessen: Datenträger wie USB-Sticks“, sagt Harald Wenisch, IT-Sicherheitsexperte und Sprecher der IT Security Experts Group der Wirtschaftskammer: „Mit Abstand am häufigsten wird für Cyberangriffe auf Unternehmen Ransomware, also Schadsoftware die Computer und Daten verschlüsselt, eingesetzt. Das bewegt sich zwischen 40 und 60 Prozent, je nach Unternehmensgröße.“ Die zweithäufigsten „Angriffswerkzeuge“ sind Betrug und Phishing. Cybercrime ist laut Wenisch üblicherweise wirtschaftlich motiviert, was natürlich Unternehmen zu den Hauptzielen mache. Besonders verwundbar sind KMU und Unternehmensbereiche wie die Personalabteilung und der Vertrieb. „Sie erhalten regelmäßig E-Mails von fremden Personen, sind gewöhnt unterschiedlichste Attachments zu öffnen und auf unbekannte Links zu klicken“, erläutert Wenisch.

Tipps zur Prävention. Wie können sich Unternehmen schützen? Martin Puaschitz, Obmann der Fachgruppe UBIT Wien – Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie, empfiehlt: „Unternehmen sollten ihre Mitarbeiter in Bezug auf Cyberattacken sensibilisieren. Natürlich sollte auch die verwendete Software, besonders Antivirenprogramme und Fire­walls, immer auf dem letzten Stand sein. Veraltete Software öffnet virtuellen Einbrechern Tür und Tor.“ Wichtig ist aus Sicht des IT-Obmanns auch regelmäßige Sicherheitskopien der Daten anzulegen und Software nur von vertrauenswürdigen Quellen herunter zu laden. „Oft ist Prävention auch sehr einfach. Würde man einem Mann glauben, der vor dem Bankomat steht und sagt: ‚Grüß' Sie, ich bin Ihr persönlicher Bankberater und erleichtere Ihnen die Arbeit – geben Sie mir Ihre Karte samt PIN-Code?‘ Ich glaube nicht. Gleiches gilt auch für das Internet“, sagt Puaschitz.