Kiberer Blues

Machos, Gewalt und Racial Profiling

Die Gewaltstraftaten sind in Niedersachsen zwischen 2014 und 2016 um 10,4 % gestiegen, 92,1 % dieser Zunahme sei Flüchtlingen zuzurechnen. Eine Studie sollte die Ursachen beleuchten.

Prof. Dr. Christian Pfeiffer und sein Team vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) haben diese Entwicklung analysiert. Und sie kamen, mit einer Ausnahme, zu wenig überraschenden Ergebnissen! Als Polizist wird man beim Lesen zuerst an die berühmte Szene mit Louis de Funès „Nein! Doch! Ohhh!“ erinnert und man fragt sich, ob für diese „nonaned“-Erkenntnisse wirklich eine teure Studie notwendig war. Andererseits können wir froh sein, wenn die Wissenschaft unsere Erfahrungen aus der täglichen Praxis bestätigt und auch Zahlenmaterial bereitstellt, um seriös argumentieren zu können.

Beispiel Gewaltbereitschaft: „Die Flüchtlinge stammen überwiegend aus muslimischen Ländern, die von männlicher Dominanz geprägt sind. Repräsentativbefragungen des KFN haben gezeigt, dass junge männliche Zuwanderer aus solchen Kulturen sogenannte gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen in weit höherem Maß verinnerlicht haben als gleichaltrige Deutsche oder in Deutschland geborene Jugendliche, die aus diesen Ländern stammen. Erfasst werden diese Männlichkeitsnormen mittels Aussagen wie: „Der Mann ist das Oberhaupt der Familie und darf sich notfalls auch mit Gewalt durchsetzen“ oder: „Ein Mann, der nicht bereit ist, sich gegen Beleidigungen mit Gewalt zu wehren, ist ein Schwächling“. Die Akzeptanz einer derartigen „Machokultur“ hat sich in vielen Untersuchungen des KFN als ein die Gewalt erheblich fördernder Belastungsfaktor erwiesen.“
Polizisten und vor allem Polizistinnen erfahren tagtäglich die Auswirkungen dieser „Machokultur“. Die sich übrigens nicht auf den muslimischen Kulturkreis beschränkt. Christliche Serben oder Westafrikaner werden auch eher selten in Frauenversteher- oder Selbstfindungsgruppen gesehen. Aber das nur nebenbei.

Beispiel Zukunftsperspektiven: „Angesichts solcher Rahmenbedingungen des Lebens der Flüchtlinge, kommt der jeweiligen Aufenthaltsperspektive zentrale Bedeutung zu. Die Verteilung der Raubdelikte auf die verschiedenen Gruppen von Flüchtlingen zeigt das besonders eindrücklich. Kriegsflüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak erreichen hier nur einen Anteil von 16 % der Flüchtlinge, die als Tatverdächtige ermittelt wurden. Sie stellen aber 54,7 % der Asylbewerber. Offenkundig möchte die große Mehrheit von ihnen ihre guten Chancen, in Deutschland bleiben zu dürfen, nicht durch eine schwere Straftat gefährden. Das andere Extrem bilden die nordafrikanischen Flüchtlinge, deren Anteil unter den Asyl­bewerbern 0,9 % beträgt, die aber 31,5 % der als Flüchtlinge registrierten Tatverdächtigen von Raubdelikten stellen.“
0,9 % sind für 31,5 % der von Flüchtlingen begangenen Raubdelikte verantwortlich! Hier zeigt sich deutlich die Notwendigkeit von zeitnahen Abschiebungen, wenn kein Asylgrund vorliegt.

Soko-Maghreb. Das Landeskriminalamt Wien hat auf die Häufung der Delikte durch Nordafrikaner mit der Soko-Maghreb reagiert, Chefinspektor Michael Vagner und seine Mannschaft von der Außenstelle West leisten hier ausgezeichnete Strukturarbeit. Aber es ist auch ein Kampf gegen Windmühlen, wenn die Zahl der potentiellen Straftäter durch illegale Einwanderung jeden Tag größer wird.
In der Studie des KFN wird als ein Faktor für das Abrutschen in die Kriminalität auch das Fehlen der Frauen betont. Mütter, Schwestern und Ehefrauen haben eine zivilisierende Wirkung auf die Männer. Wenn ich an mein Leben vor und nach der Hochzeit denke, muss ich sagen: „Stimmt leider.“
Zusammenfassend bestätigt die Studie, dass bei alleinreisenden jungen Erwachsenen mit geringen Chancen auf Asyl die Gefahr am größten ist, dass sie Straftaten begehen werden. Wie gesagt, keine großen Überraschungen.

Racial Profiling. Aber aus einem Grund ist diese Studie doch bemerkenswert: Prof. Pfeiffer setzte die Herkunft einer Gruppe von Straftätern in direkten Zusammenhang mit einer Deliktssparte. Er spricht bei der muslimischen Machokultur von „als ein die Gewalt erheblich fördernder Belastungsfaktor“ und belegte die wesentlich höhere Delinquenz von Nordafrikanern bei Raubdelikten. Begibt sich Prof. Pfeiffer damit in Gefahr, dass ihm Racial Profiling vorgeworfen werden kann?
Definition: „Als Racial Profiling (auch „ethnisches Profiling“ genannt) bezeichnet man ein häufig auf Stereotypen und äußerlichen Merkmalen basierendes Agieren von Polizei-, Sicherheits-, Einwanderungs- und Zollbeamten, nach dem eine Person anhand von Kriterien wie „Rasse“, ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder nationaler Herkunft als verdächtig eingeschätzt wird und nicht anhand von konkreten Verdachtsmomenten gegen die Person.“
Einerseits ja, denn in der Studie werden Nordafrikaner und Muslime als Gruppe genannt, nicht als einzelne konkret verdächtige Person. Andererseits nein, da eine Auseinandersetzung mit dem Thema sonst gar nicht möglich wäre. Pfeiffers Arbeit wollte nicht diskreditieren, sondern informieren. Es ging ihm nicht um die „Rasse“, sondern um die Herkunft.
Racial Profiling gegen Menschen mit dunkler Hautfarbe als Form von institutionalisiertem Rassismus wird der Polizei immer wieder vorgeworfen. Und der Vorwurf war und ist genauso falsch. Polizisten wollen Fälle klären, sie arbeiten erfolgsorientiert. Wird sich beispielsweise das LVT (Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung) bei Hakenkreuzschmierereien auf einem jüdischen Friedhof bei der Tätersuche auf Nordafrikaner, oder eher auf österreichische Neonazis, konzentrieren? Wird die Raubgruppe nach einem Blitzüberfall bei einem Juwelier nach Afrikanern fahnden, oder eher die Pink Panthers aus Ex-Jugoslawien in den ersten Verdächtigenkreis nehmen? Ich nehme auch an, dass die Wirtschaftspolizei selten Verdächtige aus Afrika zur Vernehmung hat, außer es geht um die Erbschaft eines nigerianischen Prinzen.
Natürlich können die Ermittlungen ergeben, dass der erste Verdacht falsch war. Ein Kriminalist kann sich nicht erlauben, in Schubladen zu denken. Aber ein guter Kriminalist sollte eine Ahnung haben, wo er seine Suche beginnt.

EKG oder Salbe? Alles klar? Noch nicht, dann versuchen wir es anders: Wenn Sie zum Arzt gehen und über Schmerzen in der Brust und ein Ziehen im linken Arm klagen, sollte der Arzt dann alle Krankheiten in Betracht ziehen und zuerst ihr rechtes Knie untersuchen, oder sollte er doch mit einem EKG beginnen? Wenn Sie ihrem Mechaniker von Bremsproblemen berichten, wird er dann den Kühler prüfen? Der Mechaniker hat einen großen Vorteil: Wenn er die Bremsscheibe im Verdacht hatte, tatsächlich aber der Bremskolben steckte, wird sich die Bremsscheibe nicht wegen Diskriminierung beschweren. Da wie dort gilt: Bevor das schwere Werkzeug zum Einsatz kommt, muss genau geprüft werden!

Kriminelles Know how. Wer sich jetzt von den Nichtpolizisten unter unseren Lesern fragt, wieso sich gewisse Nationalitäten auf eine bestimmte Form der Kriminalität spezialisiert haben, noch eine kurze Exkursion: Gewerbsmäßige Kriminalität braucht Fachwissen und Ausrüstung! Egal ob es um das richtige Verpacken, die Reinheit und den Preis von Suchtgift, das Knacken von Schlössern, das Ablenken bei Taschendiebstählen oder das Sprengen von Bankomaten geht, man braucht das Know how und das nötige Equipment.
Wer neu nach Österreich kommt und sein Leben als Krimineller bestreiten will oder muss, sucht naturgemäß Kontakt zu seinen Landsleuten. Oder er wurde bereits von seinen Kontaktleuten im Heimatland angemeldet (z.B. um die Schulden für die Schleppung abzustottern).
Und dann wird das Wissen vom Meister an den Lehrling weitergegeben. Da geht es um gegenseitiges Vertrauen und man bleibt unter sich. Da geht nicht der Algerier bei den Polen in die Lehre und umgekehrt. Also wird das Fachwissen innerhalb der Community weitergegeben. Stereotype vom „schwarzen Drogendealer“ und dem „polnischen Autodieb“ ergeben sich dadurch zwangsläufig. Einbrechen oder Dealen hat also nichts mit Genetik oder Farben zu tun, aber viel mit der kriminellen Umgebung, in der man ausgebildet wurde!
Das erklärte auch Polizeipräsident Gerhard Pürstl: „Stichwort Georgier, Moldawier, Serben, Kroaten, Rumänen. Das hat nichts mit Ethnic Profiling zu tun. Wir müssen unsere Kräfte im Kriminaldienst so organisieren, dass es dort Mitarbeiter gibt, die sich mit gewissen Banden, die aus bestimmten Ländern kommen, primär beschäftigen. Es kann heute nicht jeder alles aufklären. Es ist ganz klar, dass eine Organisation aus Serbien nicht mit einer Organisation aus Moldawien zusammenhängt, und da benötige ich Mitarbeiter, die auf solche Organisationen spezialisiert sind.“

Stichwort Genetik: Die DNA-Analyse könnte in Zukunft wesentlich mehr zur Verbrechensaufklärung beitragen! Derzeit dürfen Forensiker nur den nicht codierten Teil der DNA nutzen und damit Vergleiche mit vorhandenen Spuren oder DNA-Tests durchführen. Die Wissenschaft könnte aber schon viel mehr, beispielsweise die biogeografische Herkunft, sprich, ob die Vorfahren des Verdächtigen aus Europa, Afrika oder Asien stammen, klären. Es ließe sich mit einiger Genauigkeit das Alter, die Haut- und die Haarfarbe des Gesuchten bestimmen. Vor allem bei Mord- und schweren Sexualdelikten könnte dies den Kreis der Verdächtigen wesentlich einengen. Und auch falsche Spekulationen im Keim ersticken: „Der Hofer war’s vom 20er Haus, der schaut ma so verdächtig aus...“ (Unsere jüngsten Leser dürfen an dieser Stelle den Namen „Wolfgang Ambros“ googeln).
Wie gesagt, Kriminalisten freuen sich, wenn die Wissenschaft ihr Bauchgefühl bestätigt. Herbert Windwarder

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