Kryptowährungen

Bitcoin, Monero & Co

Was ist der Unterschied zwischen einigen Gramm Hasch in der Hosentasche und einigen Bytes Hash auf einem USB Stick? Fürs erste gibt’s eine Anzeige und Strafe, fürs zweite unter Umständen mehrere Millionen Euro Guthaben.

Hash ist ein Begriff aus der Mathematik und findet seine Anwendung in der IT und Kryptographie. Spricht man über Kryptowährungen, schneidet man somit das Kernthema im wahrsten Sinn des Wortes bereits an – „Krypto“ – Kryptographie – Verschlüsselung. Dies ist die Grundlage der Kryptowährungen, ein verschlüsseltes System einer fortlaufenden Datenbank, die dezentral, also in unzähligen Kopien, auf Computern quer über den Globus verteilt, aufliegt.
Seit der Einführung von Bitcoins im Jänner 2008 haben diese einen so rasanten Wertanstieg verzeichnet, dass nicht nur Medien laufend darüber berichten, es soll mittlerweile schon dazu geführt haben, dass sich sogar handy- und computerlose Omas zu Weihnachten bei der Bank erkundigten, ob sie fürs Enkerl ein paar Bitcoins kaufen könnten.
Wer vor einigen Jahren ein paar hundert Euro investiert hatte, kann heute bereits seinen vorgezogenen Ruhestand genießen. Ein Bitcoin war zum Beispiel 2011 etwa 50 Cent Wert. Anfang 2018 lag er, nach beträchtlichen Schwankungen, bereits bei € 12.000. Ob dies so weitergeht oder ein Crash bevorsteht, ist jedoch eine andere Geschichte. Kritiker warnen vor einem Totalabsturz, andere halten einen Bitcoin-Wert von einer Million Dollar für möglich.
Ein USB Stick mit den entsprechenden Zugangsdaten für ein sogenanntes „Wallet“ (Geldbörse) könnte also theoretisch millionenschwer sein und dementsprechend bei kleinen und großen Finanz- und Strafdelikten eine Rolle spielen. Unter dem Deckmantel der Anonymität von Kryptowährungen ist die tatsächliche Herkunft der Vermögenswerte oft schwer bis gar nicht nachvollziehbar – und das obwohl bei einigen Kryptowährungen, z.B. bei Bitcoins, alle Transaktionen öffentlich einsehbar sind. Man stelle sich vor, eine Bank würde alle Überweisungen live ins Internet stellen, die Namen von Einzahler und Empfänger scheinen jedoch nicht auf. Anstelle der Namen ist lediglich eine Anreihung von Ziffern und Buchstaben ersichtlich, hierbei handelt es sich um die Kryptoadresse z.B: 145UkwCrUWGPDkbzhq2gjoCk R6hreDDAiH. Der Zweck bliebe somit immer noch verborgen. War es Geldwäsche durch einen ranghohen Politiker oder ein Immobilienkauf der Jungfamilie? Man weiß es nicht, man sieht nur die Summe, gefolgt von einigen Codes.

Mining. Man kann einige Kryptowährungen, wie zum Beispiel Bitcoins, in einem Miningprozess, selbst generieren. Dies erfordert jedoch massive Rechenleistungen und zieht einen dementsprechenden Stromverbrauch nach sich. Der kleine Heimcomputer ist dazu nicht geeignet, auffällige serverähnliche Computertürme könnten vor Ort jedoch ein Hinweis darauf sein. Im Zuge des Miningprozesses werden nicht nur neue Bitcoins generiert, gleichzeitig wird die Rechenleistung auch zur Bestätigung der weltweit offenen Transaktionen genutzt. Diese werden der öffentlich einsehbaren Datenbank (Blockchain) hinzugefügt. Dezentralisierung auf höchstem Niveau.
Für die polizeiliche Praxis haben Kryptowährungen eine große Relevanz, weil sie auf Grund der hohen Anonymität gerne für kriminelle Machenschaften genutzt werden. Drogengeld zum Beispiel kann heute rasch an Automaten in Trafiken, Hotel-Lobbys oder in einem Bitcoin-Geschäft in eine Kryptowährung getauscht werden. Für die Ermittler besteht die Herausforderung in der Sicherung der Vermögenswerte und im Zuordnen zum rechtmäßigen Eigentümer. Um dies zu ermöglichen, werden „Keys“ (Schlüssel) aus den „Wallets“ und Adressen von Sender und Empfänger der Transaktionen benötigt.
Kryptowährungen, derzeit werden ca. 1.450 gelistet, werden von den Besitzern nicht lokal auf deren Computer gespeichert, sie sind in der Blockchain zu finden, in der immer weiter wachsenden Datenbank. Alle bisherigen Bitcoin-Transaktionen zusammen betragen im Moment ca. 150 GB an Daten. Diese Datenbank kann jeder auf seinen PC herunterladen.
Um auf sein digitales Geldbörsel überhaupt zugreifen zu können, benötigt der Besitzer die Zugangsdaten, die, ähnlich dem Zugriff auf ein Bankkonto im Telebanking, in mannigfaltiger Weise gespeichert und gesichert werden können.
Für eine Transaktion wird die Bitcoinadresse eines Empfägers benötigt. Der Sender bestätigt mit seinem geheimen Schlüssel (private Key), dass er den Betrag, der auf seinem Wallet verzeichnet ist oder einen Teil davon, an die Bitcoinadresse des Empfängers sendet. Ein Bitcoin ist bis zu einem Hundertmillionstel teilbar (entspricht einem „Satoshi“) und ist somit praktisch unbeschränkt im Betrag anpass­bar.

Datensicherung. Die Schlüssel, die Adressen, aber auch die Zugangsdaten zum Wallet können lokal auf Computern und Mobiltelefonen, online oder auf allen möglichen Datenträgern, aber auch in Papierform oder auf speziellen „Hardware Wallets“ (hochsichere Datenträger) gespeichert sein.
In der Praxis bedeutet das für die Ermittler, dass sämtliche elektronischen, als auch herkömmlichen Datenträger (Notizbücher, Aktenordner, etc.) diese wichtigen Informationen beinhalten können. Ein Täter könnte somit trotz Sicherstellung sämtlicher elektronischer Geräte, auswendig gelernte oder gut versteckte Informationen nützen, um seine digitale Beute in Sicherheit zu bringen.
War es vor kurzem noch so, dass vor allem Bitcoin in einem Atemzug mit dem Darknet, der dunklen und versteckten Seite des Internets genannt wurde, so ist es heutzutage nicht mehr auszuschließen, digitale Währungen in fast allen Ermittlungsbereichen zu finden. Ein Flüchtling könnte seine Schlepper in Bitcoins bezahlen, ein Räuber gezielt ein Opfer auswählen, das die Zugangsdaten bei sich trägt.
Die Spezialisten der Landeskriminalämter (AB 06, IT-Beweissicherung und Forensik), besonders geschulte Sachbearbeiter in den Inspektionen und das Bundeskriminalamt mit seinem Cybercrime-Competence-Center (Büro 5.2 C4) werden somit zunehmend wichtiger – auch in der Tatortarbeit und bei Sicherstellungen.
Dazu Andreas Dengg, MSc, vom AB06 des Landeskriminalamtes Wien: „Bitcoin gibt eine Pseudoanonymität vor, es besteht keine tatsächliche Anonymität. Für uns ist es deshalb am wichtigsten, die ‘private keys’ zu erhalten. Speziell im Bereich der Suchtgiftkriminalität konnten wir beobachten, dass sich Bitcoin als Zahlungsmittel nicht mehr bewährt. Im Jänner 2018 betrug die Wartezeit für eine Überweisung bis zu zehn Tage.“
Verursacht werde die lange Bearbeitungszeit durch die immer größer werdende Datenmenge. Die Täter seien teilweise auf die virtuelle Währung „Monero“ ausgewichen, welche zudem eine tatsächliche Anonymität gewährleisten kann, weiss Dengg. „Bei Monero gibt es Algorithmen, die nicht nur Sender und Empfänger bei einer Transaktion beinhalten, sondern eine dritte Person oder auch eine Gruppe. Somit soll gewährleistet werden, dass keine direkte Zuordnung der zwei Hauptparteien stattfinden kann“, sagt Dengg.

Vermögenssicherung. Durch den rasanten Anstieg des Bitcoinkurses können deren Nutzer mittlerweile auf ca. 230 Mrd. Euro zurückgreifen. Betrachtet man dies aus der Perspektive der Wirtschaftsleistung eines Landes, entspricht es in etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Finnland (BIP Österreich: ca. € 350 Mrd).
Daraus ergibt sich, dass längst nicht mehr nur kleinere IT-Delikte und Sicherstellungen zur Beweissicherung notwendig sind, sondern dies einen wichtigen Faktor für die Vermögenssicherung darstellt und in weiterer Folge die Verwertung durch die Justiz zeitnah erfolgen muss. Speziell wegen der massiven Kursschwankungen ist Eile geboten.
Wegen der exorbitanten Steigerung des Bitcoinkurses warnen Experten schon seit Jahren vor einer Blase, die – gleich der letzten Wirtschaftskrise – ungeahnte Ausmaße annehmen könnte. Der Vergleich mit der Tulpenblase aus dem 17. Jahrhundert wird hier gerne herangezogen, wo letztlich einzelne Tulpenzwiebeln den Wert von ganzen Häusern erreichten. Genauso wie man jedoch heutzutage noch Tulpen kaufen kann, wenn auch weit günstiger, wird man wohl auch nach einem eventuellen Kryptocrash feststellen, dass die Technik nun Teil der technologischen Wirtschaft und Finanzwelt geworden ist.
Experten sind sich darüber einig, dass eine fälschungssichere aber offen einsehbare Datenbank massive Vorteile bietet. Die Blockchaintechnologie könnte nicht nur Bereiche wie Datensicherheit, Urheberrecht oder Bankenwesen, sondern die ganze Wirtschaft revolutionieren. Nicht umsonst sind bereits renommierte Unternehmen und Banken in das Geschäft mit Blockchains eingestiegen. Ein Bankenkonsortium soll hinter der Entwicklung der Kryptowährung Ripple stehen. Estland will mit dem „Estcoin“ eine staatliche Digitalwährung schaffen, China und Venezuela wollen Medienberichten zufolge diesem Beispiel folgen.
Christoph Haist