Kiberer Blues

Ein Aufruf zur Selbstverteidigung

In wenigen Tagen wird gewählt. Dann werden wir wissen, welcher Slim-Fit Anzug in den nächsten Jahren das Ruder in der Hand hat. Und ob der HC dafür belohnt wurde, dass die anderen mit seinen Slogans hausieren gegangen sind. Und auch, ob es die Grünen in die rote Liste der bedrohten Arten geschafft haben.

When the flag drops, the shit stops!“ ist ein alter Spruch im Rennsport. Wenn die Startflagge fällt, relativieren sich alle hätte, wäre und wenn aus den Trainingsläufen. Dann gibt’s kurz drauf ein Ergebnis und das pickt. Wenn wir endlich ein Ergebnis haben, geht vielleicht wieder etwas weiter in Österreich.
Dass die Themen Sicherheit und Migration ganz oben auf der Prioritätenliste von Herrn und Frau Österreicher stehen und deshalb im Wahlkampf entsprechend behandelt wurden, erfüllt viele Polizisten mit einer gewissen Genugtuung. Zufriedenheit wäre übertrieben, dafür steckt der Karren schon viel zu fest im Dreck.
Polizisten bemerken oft als erste gesellschaftliche Fehlentwicklungen, sie spüren am eigenen Leib was schief läuft. Der Fall des eisernen Vorhangs, der Jugoslawienkrieg, die Taliban in Afghanistan, der arabische Frühling und die vielen Failed States in Afrika, haben Probleme nach Österreich gebracht, die auf Druck der Linken viel zu lange ignoriert wurden.
Und jetzt: Positioniert sich die SPÖ mit dem gelernten Polizisten Doskozil als Grenzschutzpartei, die Wirtschaftspartei ÖVP holt Polizeigeneral Mahrer ins Parlament und glänzt durch das Schließen von Schlepperrouten. Und die Grünen? Stehen vor einer historischen Wahlniederlage, sogar die Liste Pilz steht in Umfragen besser da.

Heimat. Apropos Peter Pilz, im September erschien sein Buch „Heimat Österreich, ein Aufruf zur Selbstverteidigung“! Nach dem „unabhängigen“ Van der Bellen nun schon der zweite Ex-Grüne, der die Heimat neu entdeckt. Dass ich das noch erleben darf, ich muss mir kurz eine Träne der Rührung aus dem Augenwinkel wischen! Gerne würde ich mich mit dem DeLorean von Marty Mc Fly zurückbeamen und mit dem Junggrünen Pilz über sein Buch diskutieren.
Übrigens, dass Ulrike Lunacek den Pilzhype nutzen will und demnächst das Buch „Pfefferspray richtig eingesetzt, ein Aufruf zur Selbstverteidigung“ herausbringt, wurde vom grünen Klub nicht bestätigt.
Einwanderungsland „Lebenslüge der Nation“ titelte Journalist Clemens Neuhold vor einem Jahr im profil. Und weiter: „Österreich ist geworden, was es nie sein wollte: eines der führenden Einwanderungsländer der Welt. Dieser Realität hat sich das Land aber noch nicht gestellt – mit allen negativen Konsequenzen.“
Genau das wird die Herausforderung für die neue Regierung!
Als eines der Hauptprobleme der letzten Jahre kristallisierte sich die mangelnde Bereitschaft zur Integration heraus. Wenn viele Einwanderer nicht einmal bereit sind, die Sprache des Gastlandes zu lernen, was sagt uns das? Wenn sie nicht einmal ihre Kinder dabei unterstützen, richtig Deutsch zu lernen, was haben sie für Vorstellungen über die berufliche Zukunft ihrer Sprösslinge?
Phänomen Verachtung. Der deutsche Publizist Henryk Broder, er wurde in Polen geboren und seine Eltern überlebten die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald, sagte in einem Interview: „Wir haben es das erste Mal in der Geschichte der Einwanderung, der Migration, mit einem Phänomen zu tun, der Verachtung für die Gastgesellschaft. Das hat es nie gegeben. Wir haben ja mittlerweile mehrere hundert Jahre Aufzeichnungen was Migration angeht und es gibt sehr viel Literatur darüber. Sachliteratur, aber auch Romane. Es gibt diese Art von Literatur mit Italienern, mit Iren, mit Deutschen und es kommt nirgendwo vor, dass die Migranten die Gesellschaft in die sie gekommen sind, verachtet haben. Und genau das passiert heute. Nicht ein kleiner Teil, ein erheblicher Teil der Migranten, vor allem aus muslimischen Ländern, verachtet die Gesellschaft in die sie kommen. Ich bin auch ein Migrant und meine Eltern waren kleinbürgerliche polnische Juden, aber sie hätten es nicht toleriert, wenn ich einem meiner Lehrer „du Schweinefleischfresser“ zugerufen hätte. Völlig undenkbar! Ich wär auch gar nicht auf die Idee gekommen.
Ich kann mich erinnern, auf das Gymnasium, in das ich in Köln ging, waren zwei Kinder mit Migrationshintergrund: Ich und ein Iraner. Natürlich haben wir uns sofort verbündet, aber wir haben miteinander Deutsch gesprochen. Wir hatten auch keine Möglichkeit uns abzugrenzen, weil wir nur zwei waren. Manchmal frage ich mich, was wäre gewesen, wenn in dem Gymnasium die Hälfte der Schüler polnisch/iranisch gewesen wäre? Wahrscheinlich hätten wir die Macht übernommen, das ist ganz normal.
Das ist die Philosophie der Zeit, in der wir heute leben, diese drei Punkte: Die Verachtung, die Menge die es macht, und der Wunsch und das Bedürfnis der Linken, die Gesellschaft auf dem Rücken der Migranten zu verändern, das macht heute die Situation aus. Und das macht auch die Brisanz der Situation aus.“

Knickerbocker. „Verachtung für die Gastgesellschaft“ – das hat es nie gegeben. Eigentlich logisch. Wenn ich in ein Land meiner Wahl flüchte – und Österreich liegt nicht sehr nahe an Afghanistan, Tschetschenien, Afrika – erwarte ich bessere Le­bensumstände. Geschaffen von den Menschen die dort leben und arbeiten. Was ja auch für viele Österreicher gilt, die z.B. nach Australien oder in die USA ausgewandert sind. Kann man sich vorstellen, dass die österreichische Community in New York auf eine Änderung des Speiseplans auf Paniertes statt Burger im Kindergarten, oder auf die Anpassung des Dresscodes mit Knickerbocker bestanden hätte? Dass sie sich geweigert hätten, Englisch zu lernen und ausschließlich in österreichischen Geschäften eingekauft hätten?

Akzeptanz. Auch das Auftreten vieler neuer Mitbürger passt nicht dazu, dass sie hier vor bösen Diktatoren beschützt und dazu noch vom Steuerzahler versorgt werden. Damit meine ich nicht, dass österreichische Füße geküsst werden sollten, aber ein Mindestmaß an Respekt und gegenseitiger Akzeptanz sollten selbstverständlich sein. Wobei viele Migranten staatliche Hilfe und Unterstützung in ihren Heimatländern nie kennengelernt haben und dort Rücksichtnahme oft mit Schwäche gleichgesetzt wurde.
Diese „Verachtung“ für das Gastland spüren manche Berufsgruppen hautnah. Und das sind neben AMS-Mitarbeitern und Lehrern oft die Polizis­ten.
Zu dem Thema möchte ich ein Interview der Basler Zeitung mit dem Syrer Bassam Tibi, Islamkenner und Professor für Internationale Beziehungen in Göttingen, zitieren: „Ich habe lange in Amerika gelebt. Muslimische Jugendliche in Boston, New York und Washington haben eine Mischung aus Angst und Respekt, wenn sie einen Polizisten sehen. Sie wissen, dass sie ins Gefängnis kommen, wenn sie ihn frech behandeln. Die deutschen Ordnungsbehörden müssen Ausländer, die sich gegen den Staat verächtlich verhalten, in die Schranken weisen. Das passiert aber nicht. Die Angst vor dem Rassismus-Vorwurf ist in Deutschland grösser als die Angst vor dem Verfall der öffentlichen Ordnung.“

Gegenseitiger Respekt. Nun, es soll ja nicht Angst sein, aber etwas gegenseitiger Respekt würde den dienstlichen Alltag leichter machen. Unsere Klientel unter den neuen Mitbürgern bekommt ja sehr schnell mit, was sie sich alles gegenüber einem Polizisten herausnehmen können. Und vergessen oft sehr schnell, dass sie vor prügelnden Polizisten und Militärs im Heimatland geflohen sind.
Aber weiter im Interview:
BZ: „Sind Muslime besonders schwer integrierbar?“
Tibi: „Seien wir ehrlich, ein Hindu oder Buddhist integriert sich sicher leichter. Das Gerede, die schlechte Integration von Muslimen habe mit dem Islam nichts zu tun, ist Quatsch. Der Islam macht den Muslimen Schwierigkeiten bei der Integration, solange er nicht reformiert ist.“
BZ: „Warum haben Deutsche solche Probleme, ihre Werte zu vermitteln?“
Tibi: „Ich umarme Sie für diese Frage! Ich habe in Amerika noch keinen muslimischen Immigranten erlebt, der nicht gesagt hätte: I am an American. Alle meine türkischen Freunde in den USA sagen das! ... Integration bedeutet Zugehörigkeit. Ich selbst habe hier in fünfzig Jahren aber nur geschlossene Türen erlebt.“
Offenbar braucht es auch Anstrengungen, um die bemühten Migranten, die hier ehrlich arbeiten und ihre Kinder in einer friedlichen und offenen Gesellschaft großziehen möchten, auch zugehörig fühlen zu lassen. An hohen Sozialleistungen liegt das offenbar nicht, wenn man sich das Beispiel USA anschaut. Eine Aufgabe für den zukünftigen Integrationsminister!

Interne Probleme. Was für Aufgaben warten auf den neuen Innenminister? Hat sich die Polizei schon darauf eingestellt, dass in Wien die Hälfte der Bevölkerung Migrationshintergrund hat? Dass diese Menschen teilweise kein Vertrauen in Behörden haben? Dass eine simple Hauserhebung oft zu einem Spießrutenlauf zwischen „nix verstehen“ und „nix wissen“ wird? Dass Observationen in manchen Gegenden kaum mehr möglich sind, da Österreicher misstrauisch beäugt werden? Dass in Österreich die größte Tschetschenen-Community Europas lebt, davon ca. 15.000 Personen in Wien? Dass trotz täglicher Festnahmen die Drogenhändler nicht weniger werden, weil so viel williger Nachwuchs bereitsteht? Dass wir in Wien ein klitzekleines Personalproblem haben?
Am 16. Oktober sollten wir wissen, wohin die Reise geht.
Herbert Windwarder

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