Porträt

„Spätlese“ im Ruhestand

Erwin Beigelbeck war 40 Jahre lang Polizist. Er war Kriminalbeamter alter Prägung und hatte oft alle Hände voll zu tun.

Wir sind nicht als beste Freunde auseinandergegangen, wenn ich jemanden eingesperrt habe“, sagt Erwin Beigelbeck, seit 1. April 2016 „in Ruhe“. „Aber es hat meistens gegenseitigen Respekt gegeben und nachgetragen hat es mir auch keiner.“ Es ist noch nicht lange her, als er mit seiner Tochter im 16. Bezirk in der Thaliastraße in einem türkischen Geschäft einkaufen war. „Sie haben mich eingesperrt“, erinnerte sich der Verkäufer, ein Türke, der (zumindest) früher in andere Geschäfte verwickelt war. Er hatte Can­nabis verkauft und alles, was am Drogenmarkt gerade „in“ war. Jetzt habe er sich – so sagte er – auf Döner spezialisiert.
„Es hat Leute gegeben, die habe ich zehnmal hinter Schloss und Riegel gebracht“, erinnert sich Beigelbeck. Er war Drogenbekämpfer von den 1980er-Jahren an. „Wir haben damals nach einer ganz anderen Strategie gearbeitet als heute“, sagt Beigelbeck. „Damals haben wir in der Woche zehn bis fünfzehn Dealer eingesperrt – und alle oft über Jahre hinweg gekannt. Heute passiert erst im Geheimen viel Ermittlungs- und Überwachungsarbeit und nach außen hin lange nichts – bis die Polizei zuschlägt und bei Hausdurchsuchungen gleich mehrere Leute einsperrt – aber Leute aus der oberen Riege.“ Das sei sinnvoll. „Aber die Junkie-Szene kennt heute niemand mehr so richtig, außer ein paar Kriminalbeamte, die das Geschäft von der Pieke auf kennen.“ Doch was ihn daran betrübt: „Heute ermittelt man monatelang die Hintergründe und Tatzusammenhänge. Dann gibt es einen Zugriff, bei dem man als Kriminalbeamter nur mehr im Hintergrund irgendwo in der Rossauer Kaserne sitzt – und die Festnahmen machen die Leute von der WEGA oder der Cobra.“ Das sei nur mehr „der halbe Spaß“. Die Adrenalin-Ausstöße am Schreibtisch hielten sich in Grenzen.
Den „ganzen Spaß“ hatte Erwin Beigelbeck bis zu seiner Pensionierung von Februar 1976 an, als er in die Wiener Sicherheitswache eintrat. Geworben hatte ihn in Oberwart (Burgenland) der spätere Kriminalbeamte Hannes Schaller, der kürzlich ebenso wie Beigelbeck in Pension gegangen ist. Beigelbeck hatte gerade die Lehre als Automechaniker abgeschlossen, war vernarrt in seinen VW-Käfer.
Noch bevor er zum Bundesheer zum Grundwehrdienst ging, meldete er sich bei der Polizei an. „Wenn du mir in meiner Lehrzeit gesagt hättest, dass ich einmal zur Polizei gehe, hätte ich dich was gefragt, was du sicher nicht schreiben könntest“, sagt Beigelbeck. Er war eher an „harter“ Musik interessiert. Er spielte Schlagzeug. „Was ich aber schon damals gesehen habe, war, wie leicht man in Drogen hineinkippt und wie sie einen ruinieren“, erinnert er sich. Einige seiner Freunde schafften nicht den Weg zurück. Für Beigelbeck waren Drogen tabu.

Spätlese am Lavendlfest. Das Schlagzeugspielen ist eine Zeit lang aus seinem Leben verschwunden. „Jetzt ist es wieder da“, sagt er. Beigelbeck wurde von „alten“ Freunden angesprochen, ob er nicht wieder spielen wollte. Jetzt tritt er mit der „Spätlese“ auf. Geprobt wird in Ravelsbach bei Maissau, aufgetreten bei diversen Fes­ten, wie dem Lavendelfest in Unterdürnbach.
Die Zeit als Uniformierter verbrachte Erwin Beigelbeck im zweiten Wiener Bezirk, Wachzimmer Ferdinandstraße. So friedlich, wie man glauben möchte, war es in den 1970er-, 1980er-Jahren nicht. „Da hat es in der Venediger Au den Messer-Gabel-Mord gegeben, wo ein Mann seine Frau in den Kehlkopf gestochen hat und sie verbluten hat lassen“, erinnert sich Beigelbeck. „Oder im Café Renz: Da hat einmal ein Zuhälter eine Frau vor ihrem Ehemann angebraten. Der Mann ist nachhause, hat sich einen .38er geholt und den Rivalen mitten im Lokal in den Kopf geschossen – vor allen Gästen. Der Mann ist damals vom Tötungsdelikt freigesprochen worden, hat Notwehr zugestanden bekommen und er hat nur wegen unbefugten Waffenbesitzes eine Strafe bekommen.“
Der Dienst in der Wiener Leopoldstadt sei von Messerstechereien im Prater und Raufereien im Oberbayern geprägt gewesen, einem Lokal, in dem es so zünftig zugegangen ist, wie sein Name klang. „Die älteren Kollegen haben damals schon genug gehabt von der ,Action’ im grünen VW-Käfer, mit dem Werbeschild ,POLIZEI’ am Dach. Wir als Junge sind oft von 19 bis 7 Uhr in der Früh durchgefahren, weil uns diese ,Action’ getaugt hat.“

Anschieber fürs SB gesucht. 1981 kam Erwin Beigelbeck in den Kriminalbeamtenkurs und kehrte 1982 als Krb in den „Zweiten“ zurück. „Das Sicherheitsbüro, das SB, als Heimatdienststelle war damals für viele ein unerreichbarer Traum“, erzählt Beigelbeck. „Es hat geheißen, wenn du dorthin kommen willst, brauchst du auf jeden Fall einen Anschieber.“ Und den hatte Beigelbeck nicht.
Bei einem der Stadiondienste im Praterstadion eskalierte die Situation mehrmals. Einem Polizisten wurde die Dienstpistole im Getümmel gestohlen. Als Beigelbeck nach dem Match zu seinem Auto ging, hörte er, wie jemand in einer Gruppe von zwanzig Leuten damit prahlte, einen „Kiberer niedergeschlagen“ zu haben. Beigelbeck drehte sich um und sah einen Burschen in einer schwarzen Lederjacke. Er erinnerte sich an die Fahndung nach ihm und holte ihn aus der Menge. „Ich bin schon am Boden mit ihm gekugelt, habe schon die Dienstpistole rausgeholt, da sind Gott sei Dank die Kollegen von der Alarmabteilung da gewesen.“ Der Bursche wurde festgenommen und mit ihm sechs oder sieben seiner Freunde.
Der junge Kriminalbeamte klärte damals Einbruchsserien, hatte es mit Prostituierten zu tun, schlug sich mit Obdachlosen herum und wies Zuhältern Messerstechereien nach. „Irgendwie sind die Leute im Sicherheitsbüro auf mich aufmerksam geworden und ich bin reingekommen - ganz ohne Schieber“, erinnert sich Beigelbeck.
Erwin Beigelbeck kam zur Gruppe Helmut Groß, der wie Karl Klug eine der zwei „Suchtgiftgruppen“ führte. „Wir waren damals zehn Kriminalbeamte für ganz Wien zuständig“, sagt Beigelbeck. „Wir haben von unseren Kontakten zu den Junkies gelebt. Anders als heute haben wir uns von unten nach oben gearbeitet, wenn wir es geschafft haben, die Strukturen einer Suchtgiftbande aufzubrechen.“ Und Struktur hatten die Drogenbanden bereits damals.
In der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre wechselte Beigelbeck von der Gruppe Groß zur neu gegründeten Gruppe von Heinz Pöttinger. Dort wurde er wenig später stellvertretender Gruppenführer.

Körperlicher Einsatz. Amtshandlungen waren oft von körperlichem Einsatz geprägt. „Wenn wir an einer Tür geklopft haben, haben wir nicht ,Polizei, aufmachen!’, gerufen, sondern ,Aufmachen, Berggasse!’“, schildert Erwin Beigelbeck. „Das hat oft bewirkt, dass wir nicht die Tür auframmen haben müssen, sondern dass sie uns von den Bewohnern selbst geöffnet worden ist.“ Die Kriminalbeamten des Sicherheitsbüros in der Wiener Berggasse hatten sich einen „Namen“ in der Szene gemacht.
„Manchmal ist uns noch nach der Amtshandlung schummrig geworden“, erzählt Beigelbeck. „In einem Fall sind wir in eine Wohnung gegangen, ohne uns viel dabei zu denken. Erst im Nachhinein haben wir festgestellt, mit welchem Kaliber wir es zu tun gehabt haben.“ Der Verdächtige hatte einen 357er-Revolver auf dem Nachtkästchen liegen gehabt.
„Ich habe damals ein paar Mal hintereinander auch einen Schusswaffengebrauch gehabt“, erinnert sich Erwin Beigelbeck. „So oft, dass mich mein Leitender schon auf ein Waffengebrauchsseminar geschickt hat, weil er selber von seinem Chef die Frage bekommen hat, ob das so oft hintereinander vorkommen kann – und darf.“

Ein „Kommissar“ in der Lerchenfelderstraße? Am Naschmarkt schoss Beigelbeck einem Drogendealer hinterher. Der Flüchtende bekam einen Schreck und warf sich unter ein parkendes Auto.
In der Lerchenfelderstraße blieben Touristen stehen und sahen dem Kriminalbeamten freudig zu, wie er einem Flüchtenden nachschoss. Später bei der Zeugeneinvernahme stellte sich heraus, sie hatten geglaubt, ein Film werde gedreht und Beigelbeck sei der „Kommissar“.
Im 15. Bezirk schoss Beigelbeck auf einen Pkw, der auf ihn losgefahren war. Er traf den Motorblock. Der Verdächtige flüchtete trotzdem. Er wurde später festgenommen.
„Im 10. Bezirk, in der Muhrengasse, haben wir einmal einen Scheinkauf gehabt“, erzählt Beigelbeck. „Im letzten Moment hat der Dealer mitbekommen, dass er der Polizei aufgesessen ist. Er ist davon und in ein Lokal gelaufen. Als wir ihm zu zweit hinterher sind und in das Lokal gestürmt sind, waren dort zehn bis fünfzehn Leute - alle die Hände in der Tasche.“ Beigelbeck und sein Kollege standen mit gezogener Dienstwaffe mitten im Lokal. „Ich habe geschrien: ,Hände in die Höhe! Alle!’ Aber das hat nichts gefruchtet.“ Beigelbeck schoss in Richtung der Schnapsgläser, die oberhalb der Theke hingen. Er traf, es knallte und klirrte - die Gäste hatten die Hände in der Höhe. Der Täter war durch die Hintertür entkommen - und wurde Tage später bei anderer Gelegenheit verhaftet.
Im 12. Bezirk hatte Beigelbeck einen Reifen eines Fluchtwagens getroffen. Der Verdächtige konnte trotzdem weiterfahren. Er wurde zwei Wochen später in seiner Wohnung verhaftet.
Bei einer ähnlichen Amtshandlung im 19. Bezirk holte Beigelbeck einen Verdächtigen aus einem Mercedes, nachdem er einen Reifen des Wagens auf der Flucht des Täters zerschossen hatte. Der Mann hatte nach einem Zugriff nach tagelanger Observation versucht davonzukommen. Die Kriminalpolizisten ermittelten weiter und kamen auf eine Wohnung im 22. Wiener Bezirk. Als sie dort wenige Tage später zu nachtschlafener Zeit anklopften und die Tür auframmten, kam ihnen ein Schäferhund entgegen. Sie setzten Pfefferspray ein. Der Hund rannte davon und sprang aus dem 4. Stock in den Tod. Er landete neben einem Polizisten, der im Hof überwachen sollte, ob der Verdächtige Drogen aus dem Fenster werfen würde.

„Sollen wir den Kinderschänder laufen lassen?“ Anfang bis Mitte der 1990er-Jahre übernahmen Schwarzafrikaner, meist Nigerianer, den Straßenverkauf von Drogen in Wien. „Das hat uns oft zu Unrecht den Vorwurf eingebracht, rassistisch zu sein“, berichtet Beigelbeck. Die Kriminalisten verstanden es mitunter, die Volksseele auf ihre Seite zu ziehen - zumindest in einem Fall in der Wiener Landstraße. „Wir sind einem Schwarzen nach, haben ihn erwischt, er hat sich gewehrt und wir haben uns mit ihm auf dem Boden weitergestritten.“ Bald habe sich eine Menschentraube Zusehender gebildet - unter ihnen Zweifler, die die Kriminalbeamten lautstark als „Rassis­ten“ beschimpften. „Da ist unser Gruppenführer aufgestanden und hat gesagt: Sie werden doch nicht zu einem Kinderschänder halten. Oder sollen wir ihn laufen lassen? Daraufhin war es ruhig und alle Umstehenden wieder auf unserer Seite.“

Lob und Tadel - von der Gegenseite. Erwin Beigelbeck erntete über 60 Belobigungen, aber auch etliche Anzeigen von der Gegenseite. In einem Fall wurde er angeklagt. Er hatte einen Nigerianer in einer Flüchtlingsunterkunft in Wien Ottakring festgenommen. Nachdem es schien, dass der Verhaftete Drogenkugeln geschluckt hatte, wurde er zum Röntgen gebracht. Doch er verweigerte die Untersuchung. Daraufhin wurde er ins Jugendgericht eingeliefert. In der „Schluckerzelle“ kamen die Kügelchen nach dem Verdauungsweg wieder zum Vorschein. Doch es gelang dem Verdächtigen, den Fund zu verheimlichen und die Drogen wieder zu verschlucken. Fünf Tage später war er tot. Eine Drogenkugel war geplatzt. Beigelbeck wurde der Tod des Nigerianers angelastet. Er wurde freigesprochen.
Der Kriminalbeamte „alter Prägung“ machte etliche Phasen der Kriminalpolizei mit. „Begonnen habe ich, auf einer Luftgekühlten zu schreiben, in die wir Kohlepapier zur Durchschrift eingelegt hatten“, schildert er. „Aufgehört habe ich mit PAD IV.“ Auch die Menschen hätten sich verändert. „Früher sind wir nach dem Dienst gemeinsam fortgegangen, heute schaut schon während des Dienstes jeder auf sein Handy, ob ihm sein ,Date’ nicht schon auf WhatsApp geschrieben hat.“

Der Büroschimmel. Schlimmer geworden sei die Bürokratie. „Wo du früher an einer Festnahme zwanzig Minuten geschrieben hast, brauchst du heute eineinhalb Stunden.“ Viel Verwaltungsarbeit sei der Verwaltung abgenommen - und der Kripo umgehängt worden. „Das fängt bei Fahndungsausschreibungen an, geht über jede Menge Dienstdokumentation und statistische Erfassung bis hin zur Verlängerung von Ausschreibungen.“ Die Arbeit - vor allem die Schreibarbeit - habe sich verdoppelt, die Zahl der Kriminalbeamten nicht.
Anfang der 2000er-Jahre arbeitete Erwin Beigelbeck am Aufbau der Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität (EGS) mit. Es war bereits die Zeit der Strukturermittlungen und sinkender Aufgriffs- und Festnahmezahlen nach dem Suchtmittelgesetz. Und es war die Zeit, in der die Kriminalpolizei dabei war, den Kontakt zum Suchtgiftmarkt auf der Straße zu verlieren. Beigelbeck sah die Zeit wieder gekommen, in der er wieder Festnahmen haben würde - den „ganzen Spaß“. Binnen eines Jahres nahmen die EGS-Polizisten fast 300 Verdächtige fest. Doch es zog Beigelbeck wieder zurück in die Berggasse. 2004 wurde er dort Gruppenführer.
Es war die Zeit der Reformen. Das Sicherheitsbüro war längst aufgelöst worden. Dann gab es eine „Kriminaldirektion“ mit „Kriminalkommissariaten“ und letztlich ein Landeskriminalamt (LKA) Wien - mit LKA-Außenstellen und immer wieder mit dem Gerücht, diese Außenstellen würden aufgelassen. „Das wäre das Sinnvollste in meinen Augen“, sagt Erwin Beigelbeck. „Ein großes LKA, zuständig für ganz Wien. Damit würde es viel weniger Informationsverlust geben und effizienter wäre es auch.“ Beigelbeck sähe das als „letzten Schritt in der Reformkette“.

Cannabis-Besitz als Verwaltungsdelikt. In der Suchtgiftbekämpfung sieht er die Cannabis-Freigabe als Ausweg. „Da muss etwas geschehen, sonst sind die Kriminalbeamten irgendwann so überfordert, dass gar nichts mehr geht“, sagt Beigelbeck. „Strafbar sind der Cannabis-Besitz und der Cannabis-Konsum sowieso nur am Papier. Das wissen die Täter - und nützen es weidlich aus.“
Die Lösung aus Beigelbecks Sicht wäre es, den Cannabis-Besitz und -Konsum zumindest unter Verwaltungsstrafe zu stellen. „Das hätte zur Folge, dass die Täter zumindest Geldstrafen zahlen müssten.“ Geld sei immer Bremser und Motivator. „Der Heroin-, Ecstasy- und der Kokainmarkt wären nie so in die Breite gegangen, hätte es nicht die Ostöffnung gegeben, mit ihrem gleichzeitigen Preisverfall.“
1982, als Beigelbeck in die Drogenbekämpfung einstieg, kostete ein Gramm Heroin 3.500 Schilling (etwa 250 Euro). Heute bekommt man dieselbe Menge um 70 bis 80 Euro - in schlechter Qualität sogar noch um weniger Geld. Der Fall des „Eisernen Vorhangs“ erhöhte das Angebot am Markt, ließ die Preise sinken und das Angebot steigen.

Falsche Ersatz-Politik. Die Gesellschaft reagierte schon in den 1980er-Jahren mit Ersatzdrogen – anfangs Methadon, später mit Substitol und ähnlichen Mitteln. „Die Crux an der Sache ist: Das Ziel dieser Maßnahmen ist nicht die Reduktion der Dosis an Suchtmitteln, geschweige denn das Aufhören“, sagt Beigelbeck. „Hinzu kommt, dass das neue Drogenmärkte eröffnet hat, diesmal mit Ersatzdrogen. Die Junkies nehmen sie von den Ärzten und Apotheken dankend entgegen, schmuggeln sie raus, anstatt sie dort zu konsumieren, wie es vorgeschrieben wäre - sie verkaufen es am Schwarzmarkt an andere verrückte Junkies und kaufen sich um dieses Geld erst recht wieder ,echte’ Drogen, wie Heroin, weil sie nur mit der Nadel den Shot verspüren.“
Nach Ansicht Beigelbecks sollten Ärzte und Therapieeinrichtungen in die Pflicht genommen werden und dem Ziel der Entziehung verpflichtet werden.

Drogentod und verzweifelte Eltern. „Ich habe so viele Drogentote kommissionieren müssen und mit so vielen verzweifelten Eltern reden müssen, dass ich weiß: Unser Umgang mit Drogen heute ist nicht der richtige“, sagt Erwin Beigelbeck. „Ich habe mit Eltern geredet, für die der Drogentod ihres Kindes der Schlusspunkt eines Leidensweges war. Viele waren fast erleichtert, dass er zu Ende gegangen war. Wir bräuchten ein Umdenken in der Drogenpolitik, an dessen Anfang stehen sollte, Cannabis ins Verwaltungsstrafrecht zu übernehmen.“
Erwin Beigelbeck hat auch drei oder vier Dankesbriefe von Eltern und Ex-Süchtigen bei sich zu Hause liegen. Sie bedankten sich für seine konsequente Bearbeitung ihres Falles und die nötigen Worte, die er bei ihnen gefunden hatte. „Manchmal hat es halt wirklich geholfen, den jungen Leuten ins Gewissen zu reden. Aber das war natürlich viel zu selten erfolgreich.“
2012 erwischte es Beigelbeck selbst. Er erkrankte an einem Karzinom. Er musste eine acht Stunden dauernde Operation über sich ergehen lassen – samt einem harten Weg zurück zur Gesundheit und - „in Wahrheit zurück ins Leben“. „Wobei ich es manchmal fast nicht ausgehalten habe“, sagt er. Er war sechs Monate lang im Krankenstand.
Nach über einem Jahr in Pension und über einem Jahr Polizeientzug kann er keine Folgen seiner Polizei-sucht und keine Entzugserscheinungen feststellen. „Neben meinem neues­ten und zugleich ältesten Spleen, dem Schlagzeugspielen, bin ich viel im Wohnmobil mit meiner Frau unterwegs“, schildert er. Er hat drei erwachsene Töchter und drei Enkel – im Alter zwischen 3 und 17 Jahren. „Ich bin oft zwei bis drei Stunden mit meinem Hund unterwegs, mache einen Englisch-Kurs, schlage zum Krafttraining meinen Box-Sack K. O. und gehe zum Ausdauertraining laufen.“ Mit der Polizei kommt er nur mehr in Kontakt, wenn er „alte“ Kollegen trifft oder nach dem Heurigenbesuch mit dem Auto aufgehalten wird - selbstverständlich mit Nullkommanull. „Drogen und Autofahren verträgt sich nicht.“