Kiberer Blues

Nicht für die Schule lernen wir...

Den großen Flüchtlingsansturm hat Österreich – im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern – professionell gemeistert. Auch dank des unermüdlichen Einsatzes der Exekutive. Doch die großen Herausforderungen stehen uns noch bevor!

In den kommenden Jahren wird sich zeigen, ob das neue Fremdenrechtspaket greift und ob jene, die sich mit falschen Angaben unter die echten Flüchtlinge gemischt haben, abgeschoben werden können. Die noch größere Aufgabe wird sein, möglichst viele Eingewanderte in ein selbstständiges Leben außerhalb von Massenunterkunft und Sozialhilfe zu bringen.
Jeder Polizist weiß aus Erfahrung, dass Kriminalität oft aus sozialen und wirtschaftlichen Problemen wächst, dass unsere „Kundschaft“ oft von Mindestsicherung oder Asylgeld lebt, – ein guter Job und eine gute Ausbildung werden selten ins Personalblatt eingetragen (ausgenommen von Kollegen des EB 04-Wirtschaftskriminalität).
Die Kriminalitätsentwicklung der nächsten Jahrzehnte wird also wesentlich davon abhängen, wie viele Menschen integriert werden können. Die Voraussetzungen dafür sind, wenn man sich die Erfahrungen von vergangenen Migrationswellen und die Entwicklungen in anderen Ländern ansieht, nicht die besten!

Aufstieg möglich? Es gibt zahlreiche Studien, wonach die soziale Herkunft ganz wesentlich über den beruflichen Werdegang entscheidet. Was ungerecht erscheint und meist dem – schlechten? – österreichischen Bildungssystem angelastet wird. Aber ist es nicht logisch, dass es einen Unterschied machen muss, ob ein Kind daheim gefördert wird oder nicht und dass die Schule nicht die gesamte Erziehung übernehmen kann?
Kinder lernen vom Verhalten der Eltern, man kann Kindern kaum etwas anerziehen, was man selbst nicht lebt. Macht es also einen Unterschied, ob daheim gelesen wird oder den ganzen Tag RTL II (oder der türkische TRT) läuft? Welches Frauenbild vorgelebt wird? Wie über die „Schwabos“ (jugosl. Slangausdruck für Österreicher und Deutsche) gesprochen wird? Welche Einstellung die Eltern zu Arbeit und Lernen haben?
Natürlich muss eine gute Schule versuchen, Defizite bei den Schülern durch Zusatzangebote und mehr Lehrpersonal auszugleichen. Trotzdem wären Zauberer statt Lehrer nötig, um hier alle Versäumnisse der Eltern wett zu machen. Noch dazu, da in den Pflichtschulen den Unwilligen kaum Konsequenzen angedroht werden können. „Nach der Schule geh‘ ich AMS“ lautet immer öfter die Devise. Oft, da es von den Eltern – freiwillig oder unfreiwillig – so vorgelebt wird.

Fremdsprache Deutsch. Zurück zum Ausbildungsproblem: Natürlich macht es auch einen großen Unterschied, ob die Eltern Deutsch können oder nicht. Wie soll man seinem Kind helfen, wenn man die Schulbücher nicht lesen kann, die Textaufgaben nicht versteht? Wenn man den Eintrag im Schülerheft nicht lesen kann. Hier rächt sich, dass in den vergangenen Jahrzehnten völlig egal war, ob sich Einwanderer bemühten, Deutsch zu lernen. Immer wieder kommt man als Polizist zu Familien, die seit vielen Jahren in Österreich leben, aber auf das Dolmetschen der Kinder angewiesen sind. Die in ihrer Community leben und offenbar keinen Kontakt zu Einheimischen haben. Auch dieses Verhalten sehen die Kinder und werden ihre Schlüsse daraus ziehen.

Minderheit Österreicher. Im Schuljahr 2015/2016 gaben rund 263.000 Schüler an, eine andere Umgangssprache als Deutsch zu sprechen. Das sind österreichweit 24 Prozent, den niedrigsten Wert gab es in Kärnten mit 13,3 % (oder sind die Fremdsprachigen neben dem Kärntner Dialekt weniger aufgefallen?), in Wien waren es 50 Prozent! In den Pflichtschulen ist der Anteil noch höher. Und so entsteht auch die etwas groteske Situation, dass österreichische Kinder bereits in der Minderheit sind und in Brennpunktschulen gemobbt und bedroht werden.
Trotzdem wunderte man sich von offizieller Seite, dass das PISA-Ergebnis 2016 schlechter war als jenes aus dem Jahr 2000. Obwohl seit damals die Klassenschülerhöchstzahl reduziert und die Neue Mittelschule initiiert wurden.
Dass ein Sprachengewirr wie anno dazumal beim Turmbau zu Babel Auswirkungen auf den Unterricht hat, für dieses Erkenntnis muss man wohl kaum Pädagogik studiert haben.

Kurier-Reportage. Groß war das Zähneknirschen, als der Kurier vor einiger Zeit die Schulprobleme öffentlich machte. Chefredakteur Josef Votzi schrieb: „Im roten Wien wächst ein Bildungsproletariat. Die Schulen produzieren eine „verlorene Generation“. Reporter Bernhard Gaul zitierte die NMS-Direktorin Andrea Walach: „Ein Drittel der NMS-Absolventen ist nach Ende der Schulpflicht nicht vermittelbar. Eine verlorene Generation, die mangels ausreichender Deutschkenntnisse ein Leben zwischen AMS und Sozialhilfe vor sich hat und sich jedes Jahr um mehr als zehntausend NMS-Absolventen vermehrt“. Lehrer müssen ihre Schüler per Telefon wecken und in die Schule zitieren. Journalistin Maria Kern zitiert eine 48-jährige Volksschullehrerin: „Nicht nur in den NMS sind die Missstände zum Schreien, auch in den Volksschulen sei das der Fall.“ Andrea F. unterrichtet eine erste Klasse mit 24 Kindern, 20 davon haben eine andere Muttersprache als Deutsch. Sie prognostiziert, dass es ein Drittel ihrer Kinder nicht ins Berufsleben schaffen wird. „Das liege nicht nur an den Lernschwierigkeiten, die Lehrer müssten vielen Kindern auch die einfachsten Umgangsformen beibringen, es fehle auch die Vorbildwirkung und Unterstützung der Eltern. Etwa die Hälfte der Kinder grüßt nicht.“

Traurig und wütend. Sind hier österreichische Lehrkräfte überfordert oder besonders streng? In der Migrantenzeitschrift „das biber“ schreibt eine rumänisch stämmige Lehrerin, die selbst mit 7 Jahren über das Lager Traiskirchen nach Österreich kam, über ihre Erfahrungen in einer Volksschule in Favoriten: „Ich dachte, ich könnte den Kindern, welche der deutschen Sprache nicht mächtig sind, wunderbar helfen. Nun, ich kann. Aber zu einem viel geringeren Teil als mir lieb ist. Warum? Weil die notwendige Unterstützung, die Konsequenz und die Seriosität zuhause, also im Elternhaus der Kinder, nahezu nicht vorhanden ist. Ich konnte ja nicht ahnen, dass meine Eltern eine Rarität waren. Und ja, meine Eltern waren berufstätig. Vielen Migranten ist die Priorität der Bildung, sowie der schulischen Leistungen ganz offensichtlich nicht sonderlich wichtig. Das Fördern und Fordern der Kinder ist so was wie ein Fremdwort, scheint überflüssig und zeitraubend zu sein. Den Kindern mangelt es an Bewusstsein über die Sinnhaftigkeit der Schule. Wie soll ihnen auch klar sein wie wichtig diese ist, wenn es ihnen zuhause nicht vorgelebt wird? Deutsch sprechen diese Kinder sehr oft nur in der Schule. Automatisch verbinden sie dann Deutsch mit Schule, mit Arbeit und Aufwand. Die Klischees werden der Reihe nach erfüllt. Und das macht mich traurig und wütend. Ich wurde desillusioniert – meine naiven Pläne als Junglehrerin, aus Migrantenkindern großartige Sterne am Erfolgshimmel zu schus­tern, wurden ganz schnell in der Luft zerrissen. Ich spreche hier nicht von allen Ausländern Österreichs. Aber von einem Teil, der meines Erachtens viel zu groß ist.“

Qualifikation. Die oben beschriebenen Schulprobleme betreffen oft Kinder von Familien aus der Türkei oder Ex-Jugoslawien. Also Länder, in denen die Eltern eine bessere Ausbildung genossen haben, als viele Flüchtlinge aus Afrika oder arabischen Ländern. Was die Prognosen nicht rosiger macht.
Bei den Flüchtlingen der letzten Jahre ist die Bildungssituation, abhängig vom Herkunftsland, unterschiedlich. Die Forscher des Thinktank Eco Austria hielten die Qualifikationserhebung des AMS für nicht repräsentativ und verließen sich lieber auf die Befragungen des deutschen Bundesamtes für Migration. Das BAMF stufte 57 % der Flüchtlinge als gering qualifiziert ein. Und „gering qualifiziert“ heißt bei einem nicht kleinen Teil der Einwanderer, dass sie weder lesen noch schreiben können.
In Afghanistan, dem Irak und Gambia beträgt die Rate der Analphabeten über 50 %, in Marokko 48 %, in Algerien sind es noch rund 27 %. Und sie kommen oft in einem Alter, das einen Schulbesuch ausschließt.

Problem für Generationen. Zusammenfassend muss man sagen, dass die Einwanderung von schlecht ausgebildeten Menschen nicht nur ein Problem für die nächsten Jahre, sondern für die nächsten Generationen schaffen wird. Maßnahmen des Staates und der Schulen werden kaum ausreichen, um Versäumnisse von bildungsfernen und integrationsunwilligen Eltern auszugleichen. Das schafft jährlich tausende junge Menschen, die im günstigen Fall nur dem Sozialsystem zur Last fallen und im ungünstigen Fall in Drogensucht und Kriminalität abrutschen. Zustände wie in Paris oder Molenbeek sind vorprogrammiert.

Schutzgeld. Zum Abschluss noch die gute Nachricht: Nina Janousek, besser bekannt als Madame Nina, eine schillernde Figur des Wiener Nachtlebens, hat ihre Memoiren niedergeschrieben. Ich darf kurz aus ihrem Buch „Madame Nina weiß alles“ zitieren: „Wenige Monate nach der Eröffnung stürmten 12 Männer in die Bar, pöbelten Gäste an, zertrümmerten Gläser und bedrohten mich mit Waffen.“ Lauft und verständigt die Polizei“, rief ich panisch meinen Mädchen zu. Schnell war die Polizei da und sorgte für Ordnung, die dunklen Gestalten wurden festgenommen.
Ich war eine Frau im Nachtgeschäft, und die Unterwelt wollte mich in die Knie zwingen. Vermutlich hätte ich in Folge Schutzgeld bezahlen sollen. Aber ich entschied mich gegen die Unterwelt, mit der ich nie etwas zu tun haben wollte, ich entschied mich für die Polizei. Damit war der Fall erledigt, fortan hatte ich Ruhe.“
Madame Nina entschied sich gegen Schutzgeld und für die Polizei. Und konnte über Jahrzehnte in Ruhe ihr Nobelbordell betreiben. International gesehen keine Selbstverständlichkeit! Schauen wir, dass es so bleibt!
Herbert Windwarder

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