Aus dem Veteranenwinkerl

Liebe Leserin!
Lieber Leser!


Abgesang in eigener Sache! Zum Redaktionsschluss wurde wieder einmal der internationale Frauentag gefeiert. So berechtigt ich die Forderungen nach Gleichberechtigung halte und unterstütze, ärgert mich das Gejammer von Berufsfeministinnen (Politikerinnen) und sogenannten „Karrierefrauen“, dass zu wenig Vorstands- und Aufsichtsratsposten weiblich besetzt werden. Jahrzehnte lang wurden keine Verbesserungen bei der Bezahlung gleichwertiger Tätigkeiten erreicht und lediglich Privilegien, wie den um 5 Jahre früheren Pensionsantritt, verteidigt. Obwohl Frauen – trotz der oft zitierten Doppelbelastung – eine längere Lebenserwartung haben. Sicherlich leben Männer ungesünder und gehen (auch berufsbedingt) höhere Risiken ein. Trotzdem dürften auch geschlechtsbedingte Faktoren Ursache in der unterschiedlichen Lebenszeit maßgeblich sein.
Für die unterschiedlichen Karriereverläufe und Löhne sind letztlich auch die gewählten Berufsausbildungen nicht unerheblich, weil bei von Frauen bevorzugten Berufen (Verkäuferin, Friseurin, Kanzleikraft, etc.) weder hohe Löhne, noch große Karrierechancen zu erwarten sind. Unbeschadet davon bleibt die häufig schlechtere Bezahlung gegenüber Männern mit gleichen Berufen, obwohl auch nicht alle Männer (abgesehen im öffentlichen Dienst), bei ähnlicher Qualifikation gleichgestellt sind.
Der Grund, warum ich dieses heikle Thema aufgreife, ist mein persönlicher Lebenslauf. Nachdem wir 16 Jahre glücklich verheiratet waren, erlitt meine Gattin eine Gehirnblutung. Sie ist seither halbseitig gelähmt und ihr Sprachvermögen gestört. Damals gab es noch kein Pflegegeld und ich sollte aufgrund des Befundes eines Spitalarztes schon nach 2 Wochen zu einem Nettozahler werden. Das heißt, die Krankenkasse wollte ihre Zahlungen einstellen. Ich selbst war zu diesem Zeitpunkt Alleinverdiener, was mit meiner Gattin beschlossen war, weil sie sich bis zum Abschluss der Grundschule um unseren Sohn kümmern wollte. Mit Unterstützung der Personalvertretung konnte dieses „Urteil“ aufgeschoben werden. Meine Ehegattin konnte nach 5-monatigem Spitalsaufenthalt und 1-monatiger Rehabilitation in häusliche Pflege entlassen werden. Unser Sohn hatte gerade seine Ausbildung in einer HTL begonnen, weshalb meine Gattin einige Zeit in einem Tageszentrum betreut werden musste, damit ich meinen Dienst nachkommen konnte. Schließlich hatte sich der Zustand meiner Frau so gebessert, dass sie sich mit dem Rollstuhl allein in der Wohnung bewegen konnte und keine dauernde Hilfe benötigte.
Anfang dieses Jahres bekam meine Gattin Schluckbeschwerden. Sie wurde von der Hausärztin in ein Krankenhaus eingewiesen, wo ein Tumor am Gaumen festgestellt wurde. Weil eine Operation aufgrund ihres körperlichen Zustandes nicht ratsam war und eine Strahlentherapie frühestens Anfang April dieses Jahres möglich ist, wurde die Patientin nach 14 Tagen wieder in häusliche Pflege entlassen. Mit einer Magensonde für Nahrung, Flüssigkeit und Medikamentengabe. Seither bin ich neuerlich für eine 24-Stunden-Pflege verantwortlich. Zwar wird mir vom FSW eine Pflegehilfe für die Körperpflege zur Verfügung gestellt und 3-mal wöchentlich besucht uns eine medizinische Pflegerin (zur Versorgung des Sondeneingangs und allfälliger Druckstellen) von der WGKK, doch spätere Verschmutzungen, sowie die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten obliegen weiterhin den Angehörigen.
Abgesehen von der derzeitigen Situation versorge ich den Haushalt, samt Wäsche, Reinigung, etc. nun seit 27 Jahren. Ob ich alles gut gemacht habe, müssen andere entscheiden, aber wir haben es irgendwie bewältigt.
Die ersten 20 Jahre habe ich – trotz Angebot einsichtiger Vorgesetzter – meinen Dienst ohne Anspruchnahme von Privilegien als Hauptsachbearbeiter, Gruppenführer und zuletzt Leiter eines Assistenzbereiches ausgeübt. Nebenbei war ich die meiste Zeit auch als Personalvertreter tätig und dürfte diese Aufgabe zur Zufriedenheit meiner Kollegen erledigt haben, jedenfalls würden die erzielten Wahlergebnisse dafür sprechen.
Was eine Doppelbelastung bedeutet, ist mir sehr wohl bekannt.
Jetzt frage ich mich: „Bin ich eine Frau?“

Der Akku ist leer. Wie schon früher angeführt durfte ich diese Kolumne seit 6 Jahren mit Beiträgen beliefern. Ich bedanke mich im Voraus bei allen Leserinnen und Lesern für ihr hoffentlich bestandenes Interesse an meinen Ergüssen. Manchmal habe ich vielleicht Zustimmung erreicht, auch ablehnende Haltung konnte verursacht worden sein. Jedenfalls habe ich mich bemüht, möglichst objektiv zu argumentieren.
Durch meine persönliche Lebenslage sehe ich mich außerstande, weiterhin regelmäßig Medienberichte zu durchforsten und Meldungen auf Wahrheitsgehalt zu recherchieren, was für korrekte Kommentare unabdingbar ist. Zusätzlich wird es immer schwieriger, Beiträge zu verfassen, ohne dass die Gefahr besteht, wegen „Hetzerei oder Fremdenfeindlichkeit“ verklagt zu werden.
Weiters scheint mir meine Aktivzeit schon zu weit entfernt, um relevante Fachbeiträge abliefern zu können. Letztendlich möchte ich auch nicht als wütender Leserbriefschreiber in Verruf geraten.
Aus den angeführten Gründen werde ich die Redaktion ersuchen, einen Nachfolger für das „Veteranenwinkerl“ zu bestellen. Auch meine Funktion als Seniorenbeirat im Vorstand der Vereinigung Österreichischer Kriminalisten werde ich zurücklegen.
Meine Mitgliedschaft in unserer Vereinigung und mein Interesse für unsere Fachzeitschrift bleiben davon unberührt.
Eventuell „hören oder sehen“ wir uns unter anderen Umständen wieder.

Sonstiges. Aus Kostengründen konnten für Wien nur wenige Strahlentherapie-Geräte beschafft werden, obwohl hier auch Patienten aus Niederösterreich und dem Burgenland behandelt werden müssen. Deshalb ergeben sich häufig lange Wartezeiten, die Verschlechterungen bzw. den Tod von Betroffenen verursachen können. Gleichzeitig sollen in Bundesländern derartige Geräte stehen, die nicht bedient werden können, weil das Fachpersonal fehlt (der Föderalismus lebt).
Wichtig scheinen nur Fahrradautobahnen und (lebensgefährliche) Begegnungszonen.
Zu den Themen Kriminalitätsentwicklung, Flüchtlingsproblematik und Verkehrspolitik in Wien will ich aus vorher genannten Gründen keine Stellung mehr beziehen.
Behalten Sie mich trotzdem in guter Erinnerung, ihr müde gewordener Kommentator.
Franz Wolek