Vertrauensselig

Fremdtäter sind selten, aber Kinder sollten Bescheid wissen, dass es sie gibt und wie sie sicher unterwegs sind, wenn sie allein sind.

Bevor ein Kind das erste Mal alleine irgendwohin geht, sollte es den Weg mehrmals mit einem Erwachsenen abgehen. Dieser weist seinen Schützling auf Gefahren hin, die im Straßenverkehr drohen – und auf Gefahren, die von Kriminellen ausgehen. Am besten bleiben die Verhaltensregeln im Gedächtnis haften, wenn sie der Erwachsene an jenen Stellen ausspricht, an denen die Gefahren dem Kind begegnen könnten, zum Beispiel vor der Volksschule.
Eltern sollten den ersten Weg für ihr Kind sorgfältig auswählen: belebte, helle Straßen mit Gehsteigen und möglicherweise mit Geschäften. Diese könnten dem Kind als Rettungsinseln genannt werden, falls es jemand verfolgt. Wenn die Kinder Inhaber und Personal der Läden kennen, ist die Möglichkeit größer, dass sie sich im Ernstfall vertrauensvoll an sie wenden. Es kann nicht schaden, mit den Kaufleuten Kontakt aufzunehmen und vor dem Kind mit ihnen über das Problem zu sprechen.

Missbraucher wissen das Vertrauen der Kinder auszunutzen: Sie sprechen sie beim Namen an, den sie von Schultaschen ablesen. Namensschilder sollten daher verdeckt auf den Taschen angebracht sein. Das schließt nicht aus, dass ein Täter den Namen auf andere Weise herausfindet, etwa indem er mithört, wenn ein Kind ein anderes anspricht. Daher: Kinder zu gesundem Misstrauen erziehen.
Kinder in Gruppen sind sicherer, und sie sind mutiger. Missbraucher sprechen Kinder eher an, wenn sie allein unterwegs sind. Kinder im Verband mit anderen wagen es eher, sich einem Erwachsenen zu widersetzen.

Kinder unter zwölf Jahren sind Erwachsenen fast immer körperlich unterlegen. Selbstverteidigungskurse nützen, abgesehen von einem höheren Selbstbewusstsein, in diesem Alter nicht viel. Eltern, deren Kinder einen Selbstverteidigungskurs besuchen, sind nicht entbunden von ihrer Verantwortung, die Verhaltensregeln für den Schulweg ständig zu wiederholen.
Die Kurse sollten sorgfältig ausgewählt werden. Trainer sollten immer wieder vortragen, wie sich Kinder am Schulweg richtig verhalten sollen. Den Teilnehmern sollten drei Schritte zur Gegenwehr beigebracht werden: schreien, schlagen, davonlaufen.
Das sollten die Kinder so lange üben, bis die natürliche Hemmung davor wegfällt. Diese kommt wieder: Auch das im Kurs Erlernte sollte spätestens nach sechs Monaten aufgefrischt werden.


Tipps von Eltern für Kinder

• Von Fremden keine Geschenke annehmen: Ein Missbraucher könnte sich das Vertrauen des Kindes erschleichen. Manche Täter versuchen dadurch, langfristig eine Vertrauensbasis aufzubauen, bis das Kind mit ihm mitgeht oder in sein Auto einsteigt.
• Nicht mit Fremden mitgehen: Eltern sollten sich Ausreden einfallen lassen, die ein Fremder erfinden könnte, um das Kind mit sich zu locken. Die Ausreden könnten sie in ein Rollenspiel verpackt erfinden, etwa: Deine Mutter hat mich beauftragt, dich von der Schule abzuholen, weil ihr schlecht geworden ist. Oder: Dein Vater hat einen Unfall gehabt und kann dich nicht abholen, ich bin ein Arbeitskollege von ihm und soll dich nach Hause bringen. Das Kind soll konsequent nein sagen. – Das setzt natürlich voraus, das Kind auch wirklich nur dann nicht selbst abzuholen, wenn es vorher informiert wurde, wer es nach Hause bringt.
• Niemals in ein fremdes Auto einsteigen: Wenn es jemand nach dem Weg fragt, ist es nicht nötig, ihn auch einzuweisen – selbst dann nicht, wenn das Zuhause des Kindes am Weg liegt.
• Keinem Fremden Auskunft über Familienangelegenheiten geben:
Kinder vergessen rasch, was sie wem gesagt haben. Ein Missbraucher könnte das Vertrauen des Kindes erschleichen, wenn er es mit Einzelheiten aus seinem Leben überrascht.
• Einsame Wege meiden: Das Kind sollte wissen, an wen es sich wenden kann, wenn es in Not gerät („Rettungsinseln“ schaffen).
• Bei Verfolgung auf belebte Plätze flüchten und bei Erwachsenen Hilfe suchen oder in ein Geschäft gehen und Hilfe suchen.

Für Kinder, die allein zu Hause sind, ist es wichtig, keinen Fremden in die Wohnung zu lassen. Ein Rollenspiel mit den Eltern kann gegen verschiedene Tricks vorbeugend wirken. Am besten, das Kind versucht selbst einen Fremden zu spielen, der mit einem Trick in die Wohnung gelangen will. Das erhöht die Bereitschaft, an dem Spiel teilzunehmen und steigert die Merkfähigkeit.

Mögliche Tricks: Ich bin Polizist, Gaskassier, ein neuer Mieter, ich möchte mit dir über die Bibel reden (Zeugen Jehovas), mir ist schlecht, gib mir ein Glas Wasser. Im letzten Fall soll das Kind zwischen Hilfeleisten und auf einen Trick hereinfallen unterscheiden lernen. In allen anderen Fällen soll es grundsätzlich auf später verweisen, wenn die Eltern wieder zu Hause sind. Telefonisch sollte es keine Auskunft geben, wann die Eltern wieder zurückkommen.