Schatten-Seiten im Internet

Das Internet hat den Kinderpornohandel angekurbelt. Noch nie wurden so viele Kinderpornofilme und Fotos hergestellt wie jetzt.

Die ständige, steigende Verfügbarkeit von Kinderpornografie im Internet hat die Nachfrage angekurbelt. Sie ist Auslöser dafür, dass immer mehr Kinderpornos produziert werden.
Das Internet birgt weitere Gefahren, etwa dass Pädophile in „Chatrooms“ oder „Newsgroups“ unter falscher Identität und falscher Altersangabe mit Kindern Kontakt aufnehmen, Treffpunkte vereinbaren und sich ihnen sexuell nähern. Ein Grund, warum Eltern immer wissen sollten, was ihre Kinder im Internet tun.

Die Zahl der Internet-Nutzer steigt jährlich um Millionen. Das Internet ermöglicht es, Kinderpornos von zu Hause aus zu verbreiten, und jeder Internet-Zugang bietet Zugriff auf das pornografische Material. Das Internet ist drauf und dran, wichtigste Verteilungsmaschine für Kinderporno-Konsumenten zu werden.
Die meisten, der im Internet verbreiteten Bilder wurden in den vergangenen 10 bis 15 Jahren aufgenommen. Der Rest ist altes Material, das seit dem 70er-Jahren in der Pädophilen-Szene kursiert. Die Täter tragen bei den Filmaufnahmen meist Gesichtsmasken.
Die missbrauchten Kinder stammen aus allen Erdteilen. Farbige Opfer kommen selten vor. Ihr Durchschnittsalter liegt zwischen sieben und elf Jahren. Bei neueren Aufnahmen werden zunehmend jüngere Buben und Mädchen missbraucht. Vor allem bei harten pornografischen Bildern sind sie immer öfter unter fünf Jahren alt. Einige Bilder sind derart sadistisch, dass die Polizei um die Gesundheit der Kinder ernstlich besorgt ist.
Die Bedürfnisse der pädophilen Kinderpornokonsumenten steigern sich. Anfangs leben sie ihre Fantasien an harmlosen Bildern aus, in die sie Erotisches hineininterpretieren. Sie ergötzen sich an Bildern mit kindlich aussehenden Fotomodels, an Werbung für Kinderunterwäsche, FKK-Katalogen und sogar an Illustrationen in Zeitschriften mit Berichten über sexuellen Kindesmissbrauch. Die Medien tragen daher besondere Verantwortung, wenn sie über dieses Thema berichten.
Später sind es nackte Kinder beim Spielen, aus sicherer Entfernung fotografiert. Die Wünsche der Pädophilen gehen über in Soft-Porno-Aufnahmen und enden in hartem Filmmaterial mit teilweise sadistischem Anstrich. Es wurden auch bereits sogenannte „Snuff“-Filme sichergestellt, in denen Kinder gequält und getötet wurden.
Neunzig Prozent der Bilder und Filme, die im Internet gehandelt werden, sind zwischen zehn und fünfzehn Jahre alt. Die meisten stammen aus den sechziger und siebziger Jahren. Erst in den letzten drei Jahren sind immer öfter neue Kinderpornos erschienen. Die leichte Verfügbarkeit im Internet kurbelt den Markt an. Während erotisches Material aus kommerziellen Quellen stammt, werden harte Kinderpornos meist in Privathaushalten gedreht und unter Pädophilen im Tauschhandel vertrieben.

Kommerzielle Kinderporno-Produktionen stammen meist aus Asien, speziell Japan. Japan erließ erst im Mai 1999 Gesetze, mit deren Hilfe die Polizei das Problem in den Griff bekommen kann. Osteuropäische Länder drängen auf den Markt. An Bedeutung gewinnen Bild- und Filmprodukte von Sextouristen in Asien und Osteuropa, die Kinder vergewaltigen und sich dabei selbst fotografieren oder filmen.

Die Polizei ist auf eine direkte Zusammenarbeit mit den Service-Providern und den Hotline-Betreibern angewiesen – ein Verein im Sinne der Sache. Eine der Hürden der Internet-Fahnder ist die unterschiedliche Gesetzgebung in den verschiedenen Staaten. Das Schutzalter bei Kindern beträgt in Österreich und Deutschland 14 Jahre, in Holland, der Schweiz und Großbritannien 16 Jahre und in Frankreich, Italien, Japan, Kanada und den USA 18 Jahre.

Der Besitz und Erwerb von Kinderpornografie ist in Europa großteils verboten – meist erst seit kurzem. In den USA ist der Besitz nur strafbar, wenn der Betroffene mindestens drei Illustrationen besitzt oder das Material weiterverkaufen will.
Unterschiedlich sind auch die Strafen für den Besitz von Kinderpornos: In Dänemark droht schlimmstenfalls eine Geldstrafe, Haftstrafen bis zu sechs Monaten drohen in Finnland und Großbritannien, bis zu einem Jahr in Belgien, bis zu zwei Jahren in Schweden und Österreich, bis zu drei Jahren in Italien und Japan und bis zu fünf Jahren in Kanada und in den USA.

Für organisierten, gewerbsmäßigen und wiederholten Handel drohen bis zu drei Jahre Haft in Österreich, bis zu vier in Schweden, bis zu fünf in Deutschland, bis zu sechs in Holland, bis zu zwölf in Italien, bis zu fünfzehn Jahre in Belgien und in den USA bis zu dreißig Jahre für Wiederholungstäter.
Künstlich am Computer hergestellte Kinderpornos sind unter anderem in Kanada, Frankreich, Großbritannien und Österreich verboten. In vielen anderen Staaten ist es nicht untersagt, am Computer Kinderpornos, bei denen keine Menschen mitwirken, zu erzeugen. Die Verfolgung der Erzeuger von künstlicher Kinderpornografie ist wichtig: Es ist nicht nachweisbar, ob am Computer manipuliert worden ist, oder ob kinderpornografische Bilder echt sind. Verdächtige könnten die Gesetzeslücke nützen und behaupten, die Bilder am PC erzeugt zu haben.
Bisher wurde Kinderpornografie vorwiegend in Newsgroups gehandelt. In letzter Zeit sind Chatkanäle bedeutender geworden. Sie sind schwerer zu überwachen. Mithilfe von Computerprogrammen werden Nachrichten nur für jene, an die sie gerichtet sind, sichtbar. Für die Verfolger der Kinderpornohändler werden Verschlüsselungen Probleme aufwerfen. Auf Web-Seiten finden sich immer öfter Kinderporno-Bilder hinter harmlosen Darstellungen versteckt.

Bei Interpol-Wien bearbeitet ein Ermittlungsteam die Informationen aus der Bevölkerung. Zwei Drittel der Hinweise betreffen Web-Seiten, ein Drittel Newsgroups.



Kinderporno-Meldestelle des Innenministeriums:
meldestelle@interpol.at
Web-Adresse der Kriminalpolizei:
http://www.bmi.gv.at/Kriminalpolizei