Vorwort

Jede Aufklärung über sexuellen Missbrauch hilft, das Dunkelfeld kriminellen Geschehens zu erhellen. Kommt die Aufklärung von Seiten der aufdeckenden Kriminalbeamten, so ist sie mit besonderer Sorgfalt zusammengestellt und lebensnahe in der Schilderung. Kriminalbeamtinnen und Kriminalbeamte begegnen in der alltäglichen Praxis grundsätzlich den Schattenseiten menschlicher Gesellschaft. Im Falle des Kindesmissbrauchs kommt neben der professionellen Befassung mit dem Thema ein hohes Maß an emotionaler Betroffenheit hinzu, die berufsbedingt unter Kontrolle zu halten ist.
Die vorliegende Broschüre ist ein wichtiger Leitfaden, Einblick in die kriminalpolizeiliche Tätigkeit zu nehmen. Es liegt aber auch ein Leitfaden der Vorbeugung gegen Missbrauch vor, der Geheimnisse enttarnt, Mut zur Zivilcourage fordert und die Anzeige aufgrund moderner Befragungsmethoden dem Laien näher bringt. Ein wichtiges Anliegen aller zum Kinderschutz Aufgerufenen muss es sein, Täter zu überführen, damit sie ihr verbotenes Tun nicht weiter fortführen bzw. auch daran gehindert werden, weitere Kinder zu schädigen.
Sexueller Kindesmissbrauch ist kein Kavaliersdelikt, er ist vielmehr ein Verbrechen an Körper und Seele eines Kindes, und die seelischen Schäden sind oftmals nicht wieder gutzumachende Leiden, die einer dauernden Behinderung und einer Einschränkung der Lebensqualität gleichkommen.
Die Bemühung der Vereinigung österreichischer Kriminalisten kann nicht hoch genug eingeschätzt werden, wenn dadurch die Anzeigebereitschaft durch niederschwellige Angebote verbessert wird.

o.Univ.-Prof. Dr. Max H. Friedrich*)



*) o.Univ.-Prof. Dr. Max Friedrich ist Vorstand der Wiener Universitätsklinik für Neuropsychiatrie des Kindes- und Jugendalters und seit 1984 gerichtlich beeideter Sachverständiger für Psychiatrie und Kinder- und Neuropsychiatrie.