Warne Dein Kind

Jährlich werden in Österreich Tausende Kinder sexuell missbraucht. Erwachsene überhören oft die „Alarmsignale“ der Opfer.

Die Täter
In mehr als 93 Prozent der Fälle sexuellen Missbrauchs sind die Täter Verwandte oder Bekannte des Kindes. Knapp ein Viertel wohnt mit dem Opfer unter einem Dach.
Oft vertrauen die Eltern bedingungslos Bezugspersonen des Kindes wie etwa dem Leihopa. Selbst wenn ein Kind zu Mutter und Vater ein gutes Verhältnis hat, traut es sich selten zu sagen, was ihm passiert ist. Denn häufig setzt es der Täter unter Druck.
Die Eltern sollten ihre Kinder rechtzeitig sexuell aufklären. Zumindest soweit, dass sie ihre Geschlechtsteile benennen können. Kinder merken sich Verhaltenstipps (etwa für den Schulweg) nur dann, wenn man sie regelmäßig wiederholt. Die Merkbarkeit wird erhöht, wenn die Tipps in ein Frage-Antwort-Spiel verpackt sind. Ein Beispiel: "Du bist am Weg zur Schule. Jemand fragt dich, wo die Schule ist – dann schlägt er vor, du sollst in sein Auto einsteigen und ihm den Weg zeigen. Was machst du in so einem Fall?“

Die Opfer
Ängstliche Kinder sind besonders gefährdet. Speziell jene, die es gewohnt sind, Erwachsenen blind zu vertrauen und zu gehorchen. Weniger gefährdet sind Kinder mit hohem Selbstvertrauen, die auch gelernt haben, Erwachsenen nötigenfalls zu widersprechen. Und jene, die ein Gefühl für „brenzlige“ Situationen entwickelt haben.

Sieben Fragen,
die sich Eltern stellen und mit einem klaren „Ja“ beantworten sollten:
• Spricht mein Kind über alle Probleme mit mir?
• Nehme ich mir genügend Zeit für mein Kind?
• Gebe ich vor meinem Kind zu, dass auch ich Fehler machen kann?
• Darf mein Kind ungewollte Zärtlichkeiten (Begrüßungsbussi) ablehnen?
• Kenne ich die Freunde meines Kindes?
• Kommt mein Kind immer pünktlich nach Hause?
• Ist mein Kind immer in einer Gruppe unterwegs?

Was mein Kind wissen muss, wenn es alleine unterwegs ist:
• von Fremden kein Geschenk annehmen;
• nicht mit Fremden mitgehen;
• nicht in ein fremdes Auto einsteigen;
• keinen Fremden in die Wohnung lassen;
• per Telefon keine Auskunft über Familienangelegenheiten weitergeben;
• einsame Wege meiden;
• bei Verfolgung auf belebte Plätze flüchten und bei Erwachsenen Hilfe suchen.

Alarmsignale können sein:
• Essstörungen;
• Schlafstörungen;
• plötzliches Auftreten von Bettnässen;
• das Kind kapselt sich zunehmend ab von seiner Umwelt;
• das Kind geht einem Verwandten plötzlich ohne ersichtlichen Grund aus dem Weg;
• aggressives Verhalten;
• übersteigerte Neugier, was die Geschlechtsteile betrifft;
• nicht altersgemäße sexuelle Annäherungen;
• Verlust des Schamgefühls.

Manche Kinder werden "auffälliger“, andere ziehen sich zurück. Fest steht aber:
Jedes Kind, das Opfer sexuellen Missbrauchs wird, sucht mittels verschlüsselter "Alarmsignale“ Hilfe bei Erwachsenen.
Nur jeder siebente "Notruf“ wird gehört!