Frauen als Opfer

Wenn Frauen wissen, was sie bei Gericht erwartet, verliert sich die Angst vor dem verfahren zumindest teilweise. Private Einrichtungen unterstützen die Opfer.

Wenn Frauen Opfer eines Sexualverbrechens geworden sind, sollten sie keine Spuren beseitigen (etwa durch Waschen) und sich möglichst bald nach der Tat an die Polizei oder Gendarmerie wenden (Notruf 133). Dasselbe gilt für Vergewaltigungen in der Familie. Eine kurze Information über den Tathergang und die Beschreibung des Täters genügt den einschreitenden Beamten. Damit können sie sofort Fahndungsmaßnahmen einleiten.

Rechte der Opfer

Sie können jemanden zur Befragung mitnehmen, zu dem sie Vertrauen haben. Im Fall eines Sexualverbrechens nimmt eine Kriminalbeamtin die Befragung vor. Kinder werden ebenfalls von einer Kriminalbeamtin und nach Möglichkeit in Anwesenheit eines Elternteils befragt.
Die Polizei stellt nur sachliche Fragen, die mit der Tat zusammenhängen. Über die Aussage wird ein Protokoll angefertigt, das während des Strafprozesses dem Gericht vorliegt. Genaue Angaben über den Tathergang (Ort, Uhrzeit, eventuelle Zeugen usw.) sind notwendig; Widersprüche zur Aussage vor Gericht werden vorgehalten. Bevor die Frau das Protokoll unterschreibt, sollte sie es in Ruhe durchlesen, ob es ihre Aussage wiedergibt bzw. auf Missverständnisse aufmerksam machen, damit diese beseitigt werden. Anzeigen können zwar auch nach längerer Zeit noch erstattet werden, je länger die Tat aber zurückliegt, desto schwieriger ist sie zu beweisen.
Verletzungen müssen ärztlich festgestellt und Spuren von Gewaltanwendung im Gutachten festgehalten werden. Wenn bei der Erstattung der Anzeige keine amtsärztliche oder gerichtsmedizinische Untersuchung stattgefunden hat, ist es ratsam, einen Vertrauensarzt aufzusuchen oder in ein öffentliches Krankenhaus zu gehen.
Der Amtsarzt muss in jedem Fall aufgesucht werden, auch wenn das Opfer schon bei einem praktischen Arzt war. Der Amtsarzt untersucht äußere Verletzungen; sein Gutachten ist ein zentrales Beweismittel im Strafverfahren. Das Opfer sollte ihn daher auf jede Verletzung hinweisen, auch wenn sie geringfügig erscheint. Vorhandene Befunde (Ambulanzkarte) sollte die Untersuchte zum Amtsarzt mitnehmen.
Eine einmal erstattete Anzeige kann nicht zurückgezogen werden; dies gilt nicht bei gefährlicher Drohung, wenn Opfer und Täter nahe Angehörige sind.
Nach Abschluss der Ermittlungen leitet die Polizei den Akt an die Staatsanwaltschaft weiter, und das Gericht hat über die Anklage zu entscheiden. Im Verlauf des Verfahrens und des Prozesses hat das Opfer die Stellung einer Zeugin. Das bringt Nachteile mit sich: Als Zeugin darf sie den Akt nicht lesen und hat keinen Einfluss auf das Strafverfahren, etwa durch Beweisanträge.

Anspruch auf Schmerzensgeld oder Schadenersatz kann das Opfer anmelden, indem es sich dem Verfahren als Privatbeteiligter anschließt. Die entsprechende Erklärung muss bei der Polizei oder dem Untersuchungsrichter abgegeben werden ("Ich schließe mich dem Verfahren als Privatbeteiligte an.”).

Das hat zur Folge:
• Die Frau kann sich und ihre Interessen von einem Anwalt vertreten lassen.
• Sie kann bei Gericht Akteneinsicht nehmen.
• Sie wird über den Fortgang des Verfahrens unterrichtet.
• Sie kann nach ihrer Zeugenaussage während des Prozesses im Verhandlungssaal bleiben und an Angeklagten, Zeugen und Sachverständige Fragen stellen. Das Urteil wird ihr schriftlich zugestellt.

In bestimmten Fällen kann das Opfer während des gesamten Verfahrens nicht zu einer Aussage gezwungen werden, worauf der Vernehmende hinweisen muss (Entschlagungsrecht), und zwar wenn
• das Opfer eine Angehörige des Täters ist;
• der Täter ihr Ehepartner (auch geschieden) oder Lebensgefährte ist.
Die polizeiliche Anzeige ist zur Bewältigung der Probleme des Opfers nur ein Schritt von vielen.
Folgende Einrichtungen können Frauen, die selbst oder deren Kinder Opfer solcher Straftaten geworden sind, schnell und unbürokratisch helfen:

Frauenhäuser
(für misshandelte und bedrohte Frauen und ihre Kinder) – Tag und Nacht:
Amstetten – 07472/66 500
Dornbirn – 05572/29 304
Graz – 0316/91 25 92
Innsbruck – 0512/42 1 12
Klagenfurt – 0463/44 9 66
Linz – 0732/60 67 00
Neunkirchen – 02635/68971
Salzburg – 0662/45 84 58
Steyr – 07252/65749
Tirol – 0512/34 41 12
Vöcklabruck – 07672/27775
Wels – 07242/67 851
Wien – 0222/54 54 800,
408 38 80 oder 214 03 73
Wiener Neustadt – 02622/82596

Notruf für vergewaltigte Frauen:
Wien – 01/523 22 22
Linz – 0732/21 29
Innsbruck – 0512/57 44 16
Graz – 0316/91 88 00
Steyr – 07252/65 7 49
Salzburg – 0662/88 11 00

Kindertelefon
(Telefon 01/319 66 66) – telefonische Beratung für Kinder, Jugendliche und Eltern: Montag bis Freitag, 10 bis 19 Uhr.

Präsidialjournal der Bundespolizeidirektion Wien
(Telefon 01/313 10/7235): Auskünfte bei Tag und Nacht.

Rechtsanwaltskammer
(Telefon 01/533 27 18 - 0) – erste (unentgeltliche) anwaltliche Auskunft:
1010 Wien, Rotenturmstraße 13 – Montag bis Donnerstag, 17.30 bis 19.30 Uhr (Zählkartenausgabe ab 16 Uhr),
1210 Wien, Am Spitz 1 (Magistratisches Bezirksamt Floridsdorf) – Donnerstag, 15.30 bis 17.30 Uhr,
1130 Wien, Hofwiesengasse 48 (Volkshochschule Hietzing) – Mittwoch, 16 bis 18 Uhr.

Frauen beraten Frauen
(Telefon 01/587 67 50), tel. Anmeldung erforderlich: Montag bis Mittwoch, 9.30 bis 12.30 Uhr, Donnerstag, 13 bis 16 Uhr.

Notschlafstelle für Jugendliche
(Telefon 01/62 23 30) zwischen 15 und 19 Jahren: Tag und Nacht.